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Korschenbroich
"Die Freiheit ist kein Geschenk"

Korschenbroich: "Die Freiheit ist kein Geschenk"
Bürgermeister Marc Venten (r.) konnte ihn als Festredner und zugleich Zeitzeugen gewinnen: Hans-Ulrich Klose, stellvertretender Landrat des Rhein-Kreises und Vorsitzender des Kreissozialausschusses. FOTO: Jörg Knappe
Korschenbroich. Im Ratssaal würdigte die Stadt Korschenbroich den Tag der Wiedervereinigung mit einem Festakt. Der stellvertretende Landrat und Zeitzeuge Hans-Ulrich Klose stellte den Begriff der "Friedlichen Revolution" in den Mittelpunkt seiner Rede. Von Marion Lisken-Pruss

"Was bleibt von der Friedlichen Revolution?" Das war die Kernfrage, der Hans-Ulrich Klose in seinem Vortrag anlässlich des Festaktes zum Tag der Deutschen Einheit nachging. Rund 100 Zuhörer waren in den Ratssaal gekommen, darunter Vertreter der Ratsfraktionen, des Kreistags, der Wirtschaft sowie der örtlichen Vereine.

Mit Hans-Ulrich Klose hatte die Stadt Korschenbroich nicht nur einen im Rhein-Kreis Neuss aktiven Politiker als Redner gewinnen können, sondern auch einen sehr belesenen Zeitzeugen: Hans Ulrich Klose wurde 1935 in der Mark Brandenburg geboren, trat 1952 der CDU in der DDR bei, wurde vier Jahre später aus politischen Gründen verhaftet und verbüßte eine Gefängnisstrafe im Zuchthaus Brandenburg, bevor er in den Westen flüchtete.

Er ließ keinen Zweifel daran, was in seinem Leben das wichtigste politische Ereignis war: der Fall der Mauer und die Wiedervereinigung. Anhand eigener Erlebnisse, aber auch der seiner politischen und persönlichen Weggefährten schilderte er die DDR als Unrechtsregime, das darauf aus war, die Persönlichkeit des Menschen zu zerstören. Wenig Verständnis zeigte er für die Tendenz, die DDR zu verharmlosen, sei es aus einer nostalgischen Verklärung heraus, noch aufgrund der Belastungen, die die Wende für die Bürger bedeutet habe. Er ging auch der Frage nach, inwieweit die Deutsche Einheit in den Köpfen und Herzen der Deutschen angekommen sei. Eine pauschale Antwort könne es nicht geben, vielmehr käme es immer auf den Einzelfall an, resümierte er und erzählte von einem Klassenkameraden, der als hoher DDR-Funktionär viele Privilegien verloren habe, während andere Klassenkameraden von der Wende profitiert hätten. Den Begriff der "Friedlichen Revolution" betrachtete er differenziert: Tatsächlich habe sich auf dem Boden der ehemaligen DDR eine Revolution ereignet, die zu einem grundlegenden Wandel führte, sagte er.

Bürgermeister Marc Venten hatte diese Revolution zuvor in seiner Ansprache mit der Französischen Revolution von 1789 und der Oktoberrevolution von 1917 in einen historischen Kontext gestellt. "Dass die Revolution 1989 ohne Blutvergießen verlief, war allerdings nicht selbstverständlich", betonte der Zeitzeuge Klose. Und er fächerte den Begriff "friedlich" noch weiter auf: "Friedlich bedeutet auch, dass die Revolution zum Frieden in Europa beigetragen und die Grenze durch Europa aufgebrochen hat. Dazu hat Deutschland den auslösenden Beitrag geleistet."

Am Ende seines ebenso fesselnden wie eindringlichen Vortrags im Ratssaal gab Hans-Ulrich Klose den zahlreich erschienenen Zuhörern mit auf den Weg, dass die Freiheit kein Geschenk sei, sondern ein Gut, um das man kämpfen müsse.

Quelle: NGZ
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