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Korschenbroich
Die großen Blonden auf der Weide

Korschenbroich: Die großen Blonden auf der Weide
Heute wissen viele Kinder nicht, was es mit der Landwirtschaft auf sich hat. Auf dem Hof von Familie Rukes können sie echte Bauernhof-Atmosphäre erleben. Die Familie züchtet Rinder. FOTO: Hans-peter Reichartz
Korschenbroich. Der Landwirt Jürgen Rukes züchtet seit acht Jahren die französische Rinderrasse "Blonde d'Aquitaine". Das Futter für die Tiere kommt zu 97 Prozent aus eigener Produktion. Jetzt wird auch die Erlebnispädagogik zu einem Thema auf dem Hof. Von Angela Wilms-Adrians

Noch vor etwa zwölf Jahren hatte Jürgen Rukes 20 Milchkühe, wie sie am Niederrhein so typisch sind. Damals waren die Milchpreise ähnlich niedrig wie jetzt, für die Ställe wären hohe Investitionen notwendig gewesen, während Weideflächen für Wiederkäuer reichlich vorhanden waren. "Da haben wir uns gesagt, dass wir mit der Milchproduktion aufhören und eine Alternative suchen", erinnert sich der Landwirt. Er entschied sich kurz darauf, fortan auf eine "Fleischrasse" zu setzen.

Etwa 90 Prozent der deutschen Rinder sind milchbetont. Darum sah er sich bei französischen Rinderrassen um. Im zweiten Anlauf fand er zu der im Haarkleid hellgelb bis weizenfarbenen "Blonde d'Aquitaine". Deren Fleisch ist eher mager, zart marmoriert und von besonders feiner Faser. Es hat kein aufliegendes Fett, ist aber dank des intermuskulären Fetts sehr schmackhaft. Die Schlachteigenschaften sind also gut, doch Familie Rukes liegt die Zuchtarbeit am Herzen. Da ist es von Vorteil, dass bei der Rasse die Geburten zu 95 Prozent problemlos verlaufen: Die ausgewachsene Kuh ist groß und lang, die Kälber aber sind erstaunlich feingliedrig.

Zur Herde gehören zwölf Kühe und momentan 45 weibliche Jungtiere. Auf der Weide steht ein 1400 Kilogramm schwerer Bulle, im Wesentlichen so gutmütig wie die Kühe um ihn herum. "Die Rasse ist eher ruhig, und für die züchterische Arbeit ist es uns wichtig, dass man mit den Tieren gut umgehen kann", erzählen die Rukes. Anfangs haben sie mit den weiblichen Jungtieren ihre Herde aufgebaut. Jetzt sind sie so weit, dass sie auch weibliche Tiere als Zuchttiere abgeben können.

Jungbullen werden immer verkauft. "Als Züchter müssen wir auf neue Genetik achten. Da macht es keinen Sinn, den Sohn des Bullen zu behalten", sagt Jürgen Rukes. Den Bullen hat er gemeinsam mit drei Züchterkollegen angeschafft, so dass verschiedene Herden von ihm profitieren können. Im Stall ist ein dazu gekaufter, acht Monate alter Bulle, der noch weiter aufgezogen wird.

Beim Ackerbau produziert die Familie Futter für die Tiere. Ergänzend werden höchstens drei Prozent Mineralfutter zugefügt. "Es gab schon oft Futtermittelskandale. So weiß man, welche Rohstoffe man hat und ist auf der sicheren Seite", betont der Landwirt. Seine Tiere hat er bisher deutschlandweit und nach Österreich verkauft. Die Auszeichnung für eine Färse durch den Bundesverband "Blonde d'Aquitaine" unterstreicht die Qualität der Zucht. Um bekannter zu werden, präsentiert die Familie ihre Tiere auf landwirtschaftlichen Schauen.

Alexandra Rukes absolviert zurzeit bei der Landwirtschaftskammer eine Weiterbildung für Erlebnispädagogik. "Es ist erschreckend, wie wenig Kinder heute über die Landwirtschaft wissen. Für sie kommen Produkte wie Eier und Milch aus dem Supermarkt. Wenn sie sich dann aber von einem Kalb die Hände abschlecken lassen, sind sie richtig glücklich", sagt die 42-Jährige, die aus Erfahrung spricht. Sie ist überzeugt, dass ihre Kinder Franziska, Max und Johannes die Liebe zur Landwirtschaft in den Genen haben.

Quelle: NGZ
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