| 00.00 Uhr

Korschenbroich
Die rauchige Stimme aus dem Tatort

Korschenbroich. TV-Staatsanwältin Mechthild Großmann war bei "Korschenbroich liest" zu Gast.

Mechthild Großmanns Stimme ist ein Ereignis - so tief und so voll und so verführerisch. Die Schauspielerin ließ bei ihrer Lesung im Rittersaal von Schloss Rheydt Abgründe und Gedankenspiele vermuten, ehe der Verstand solche zu erkennen vermochte. Ihre markante Stimme erinnert nicht nur augenblicklich an ihre bekannte Rolle der Staatsanwältin Klemm im Münster-"Tatort". Diese Stimme gab den ausgewählten Monologen aus Alan Bennetts Band "Ein Kräcker unterm Kanapee" eine besondere Prägung, die die Fantasie vertiefend entzündete.

Rita Mielke, Initiatorin des Lesefestivals "Korschenbroich liest", hatte für die Lesung im Reigen der literarischen "Spurensuche" zum dritten Mal einen Veranstaltungsort jenseits von Korschenbroich ausgewählt. "Das ist hier ein wunderschöner Raum, wie wir ihn so nicht haben, und es ist schön zu zeigen, dass wir für 'Korschenbroich liest' Grenzen verschieben können. Schließlich haben wir viele Gäste von außerhalb", berichtete die Literatur-liebhaberin angesichts eines ausverkauften Saales.

Von Bennett las Großmann die Erzählungen "Frau mit Füllfederhalter" und "Ein Bett zwischen Linsen", die bezeichnend für den trockenen Humor des Briten sind. Zugleich haben sie sehr anrührende Momente, die tiefer blicken lassen und in das Lachen und Lächeln eine Spur von Traurigkeit mischen. Hier geht es um das Menschlich-Allzu-Menschliche mit Sympathie für und Erstaunen über die Figuren. Das Paar auf dem roten Buchcover zu Bennetts vorgestelltem Band sieht so spießig harmlos aus, das es schon misstrauisch macht. Die Texte bergen unendlich viele Zwischentöne, die Mechthild Großmann in den schillernden Schattierungen brillant herauskristallisierte.

Im Publikum saßen viele treue Anhänger der erfolgreichen Lesereihe. Für etliche war der prominente Gast ein Extra-Bonbon. Beatrix Asbeck hatte zuvor schon viele Lesungen unter Mielkes Obhut besucht, doch dieses Mal war sie in erster Linie wegen Mechthild Großmann gekommen. "Ich bin hier, um diese Persönlichkeit in Echt zu sehen. Das ist spannend", gestand die Giesenkirchenerin. "Ich wollte die 'Staatsanwältin' persönlich kennenlernen. Ich finde die Schauspielerin sehr sympathisch, und sie macht das hier ganz toll", begeisterte sich die Korschenbroicherin Lilli Ropertz, erfreut zugleich den trockenen Humor von Alan Bennett kennengelernt zu haben.

Mechthild Großmann lobte den Briten als "Juwel", das grandios mit Humor so viel erzählen könne. Es sei ihr unverständlich, warum er bisher keinen Nobelpreis der Literatur bekommen habe.

(anw)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Korschenbroich: Die rauchige Stimme aus dem Tatort


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.