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Korschenbroich
Dieses Haus ist wunderbar wandelbar

Korschenbroich. Das alte Gebäude an der Schlossstraße 24 in Liedberg ist schon vielfältig genutzt worden. Von Marion Lisken-Pruss

Flexibel und anpassungsfähig - diese Begriffe werden heute gerne bemüht, wenn es um den Erfolg im Berufsleben geht. Auch für Häuser lassen sie sich heranziehen, denn diese müssen Veränderungen im Leben ihrer Bewohner mittragen. Dass so etwas nicht unter "Zukunft des Wohnens" rangieren muss, sondern sich pragmatisch umsetzen lässt, hat Familie Onkelbach längst unter Beweis gestellt - und das sogar in einem historischen Fachwerkhaus. Seit mehreren Generationen bewohnt sie das Haus an der Schlossstraße 24, das einst als Schankwirtschaft und Kolonialwarenladen diente, das als kleine Landwirtschaft mit zwei Schweinen und Hühnern die Familie versorgte und später zum Wohnhaus umgebaut wurde.

Willi Onkelbach (78) ist hier ebenso aufgewachsen wie sein Vater vor ihm. Wer das Haus allerdings erbaut hat und wann das gewesen ist, weiß heute niemand mehr so genau. "Wahrscheinlich stammt es wie das Nachbarhaus an der Schlossstraße 22 aus dem Jahre 1741", vermutet Willi Onkelbach. So viel steht jedenfalls fest: Bis 1898 betrieben sein Großonkel Johann Vennen und dessen Frau Margarethe dort eine Schankwirtschaft, bevor sie das Brauhaus am Marktplatz erwarben. Seine Großeltern waren es, die die Schankwirtschaft an der Schlossstraße 24 fortführten. Irgendwann Anfang des 20. Jahrhunderts stellten sie den Schankbetrieb ein; und die beiden Restaurant-Zimmer und die große Küche wurden zu einem Wohnhaus umgebaut.

In dem Haus gab es aber nicht nur die Kneipe, sondern auch einen Tante-Emma-Laden, den sein Onkel in der umgebauten, ehemaligen Scheune noch bis in die 1980er Jahre betrieb. Willi Onkelbachs Augen funkeln, wenn er von früher erzählt: Von Wintern, die so kalt waren, dass morgens der Reif auf den Lichtschaltern glitzerte; oder davon, dass die Dachböden der Nachbarhäuser einst miteinander verbunden waren, und er darüber bis zum Markt spazieren konnte. "Heute geht das nicht mehr, dort stehen überall Brandschutzmauern", sagt er. In den 1950er Jahren wurde das Haus in drei Wohnungen aufgeteilt. Auf eingemauerte Schuhe, wie sie im Nachbarhaus an der Schlossstraße 22 entdeckt wurden, ist die Familie beim Renovieren allerdings nicht gestoßen. "Wir haben vielmehr den Spieß umgedreht und selber etwas im Mauerwerk versteckt: Eine Flasche mit dem aktuellen Stammbaum der Familie", sagt Willi Onkelbach. Neben der Haustür erinnert heute noch ein in den Holzbalken eingelassener Ring an frühere Zeiten. Hier banden die Gäste damals ihre Pferde an, bevor sie die Gaststube betraten. Bei den Abendführungen, die regelmäßig in Liedberg stattfinden, lässt Onkelbach Geschichte wieder lebendig werden.

Quelle: NGZ
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