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Korschenbroich
Ein Blick hinter die Kulissen von St. Andreas

Korschenbroich. Pastor Alois Müller erinnerte an einen Bombentreffer und an ein altes Grab unter der Kirche. Von Angela Wilms-Adrians

Einen kundigeren Begleiter durch das Gotteshaus hätten sich die Zuhörer nicht wünschen können. Denn es schien, als könnte Pastor Alois Müller beinahe zu jedem Stein eine Geschichte erzählen. Dabei schwelgte der 83-Jährige immer wieder mit einem versonnenen oder gar verschmitzten Lächeln in Erinnerungen, bei denen es auch um kontroverse Diskussionen zu Bestandserhaltung und Neuerungen in St. Andreas ging.

"Das hat dann doch geklappt", bilanzierte er zufrieden nach manchem Histörchen. So ist es zum Beispiel einer abenteuerlich anmutenden Rettungsaktion zu verdanken, dass heute der Barockaltar in neuer Pracht den Chorraum abschließt. Das Mittelbild mit der Szene vom Jüngsten Gericht war auf einem Speicher vollkommen verdreckt aufgetaucht und die Säulen wären wohl verheizt worden, wenn Pastor Müller sie nicht zufällig vorher entdeckt hätte. Um das Ausmaß der Zerstörung nach dem Zweiten Weltkrieg zu veranschaulichen, hatte Müller Fotos aus der Nachkriegszeit mitgebracht. "Die Kirche war von einer Bombe hart getroffen", berichtete er. Thema war auch die 1982 begonnene Grundsanierung der gesamten Bausubstanz.

Josef Hilmes, einer der vielen ehrenamtlichen Helfer von damals, verriet, dass dank einer Stahlkonstruktion mehrere Säulen keine tragende Funktion mehr haben. Bei der Sanierung wurde auch die im Boden eingelassene Grablege entdeckt. "Eines Tages kam jemand zu mir und sagte, da ist ein Loch im Boden. Ich habe mich da reingelassen und es verschlug mir den Atem von der feuchten warmen Luft. Man nimmt an, dass die von Myllendonk hier eine Grablege hatten", berichtete Alois Müller.

Mit einem Blick nach oben verwies er auf die Aposteldarstellungen an den Säulenenden. Bei einem Urlaub in Tirol hatte der kunstsinnige Pfarrer zunächst auf eigene Kosten ein Apostelbild malen lassen. Später erhielt der Künstler den Zuschlag für alle Darstellungen. Berührt von den persönlichen Schilderungen dankte Anne Künkel mit den Worten: "Man merkt, dass diese Kirche für sie wie ein Kind ist."

Die Kirchenführungen sind Teil des Programms zur Ausstellung "Himmelwärts". Weitere Führungen am: 13. Dezember, 11 Uhr, in St. Marien-Pesch, 20. Dezember, 11 Uhr, in Herz-Jesu-Herrenshoff, 3. Januar, 11 Uhr, in der evangelischen Kirche Korschenbroich.

Quelle: NGZ
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