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Korschenbroich
Ein Kreuzweg mitten durch den Ort

Korschenbroich. Sechs Wegestöcke schildern von der Antonius-Kapelle bis zur Regentenstraße den Leidensweg Jesu. Da die Gläubigen dort einen Fußfall machten, erhielten sie auch den Namen "Fußfälle". In der Karwoche haben sie ihren großen Auftritt. Von Marion Lisken-Pruss

Eher achtlos fährt man im Alltag an den Stationen des Kreuzwegs vorbei, der von der Antonius-Kapelle und dem Hundeplatz über die Herrenshoffer Straße bis hin zur Regentenstraße führt und sich quer durchs ganze Stadtgebiet erstreckt. Vermutlich haben die sogenannten Fußfälle für viele Passanten längst ihre ursprüngliche Bedeutung verloren.

Jerusalempilger waren es einst, die diese Form des Kreuzwegs mit ins Rheinland brachten. Sie suchten nach einer Möglichkeit, auch zuhause der Leiden Christi zu gedenken, da nicht jeder Gläubige nach Jerusalem pilgern konnte. Seit dem 15. Jahrhundert errichteten die Gläubigen dann in den Ortschaften sieben Wegestöcke. Diese Zahl geht auf die ursprünglich sieben Stationen des Leidenswegs Christi in Jerusalem zurück und ist älter als die heute verbreitete Zahl von 14 Stationen. Da die Gläubigen an den einzelnen Wegestöcken betend auf die Knie niederfielen, also einen Fußfall machten, erhielten die Wegestöcke auch den Namen "Fußfälle". Die Inschriften auf den Fußfällen lassen vermuten, dass sie um 1700 errichtet und in den 1850er Jahren restauriert wurden.

Andrea Otten jedenfalls ist froh, dass die Kreuzwegstationen alte Traditionen aufrechterhalten. Die Vorsitzende des Kapellenvereins St. Antonius kümmert sich um die Antonius-Kapelle, die ebenfalls eine Station des Kreuzwegs ist, sowie um den Fußfall an der Straßenmündung Herrenshoffer Straße / Grüner Zierdenweg. Dort steht er aber noch nicht lange. Erst im Oktober 2012 ist er mit Hilfe eines Kranwagens dorthin geschwebt, nachdem er an seinem ursprünglichen Platz zwischen dem Bahnhof und Bauhof-Parkplatz nicht länger verbleiben konnte. "Seitdem kommt er auch wieder viel mehr zur Geltung", freut sich Andrea Otten. Alljährlich ziehen an den ersten drei Abenden der Karwoche Kreuzweg-Prozessionen durch den Ort. "70 bis 80 Personen nehmen jeweils daran teil, darunter auch die Erstkommunionkinder und ihre Katecheten", sagt sie. Das war nicht immer so, weiß Alois Müller (84), der 1974 Pfarrer der Gemeinde St. Andreas wurde.

"Als ich nach Korschenbroich kam, gingen nicht mehr als ein Dutzend Personen bei der Prozession mit", erinnert er sich. Damals, als es die Bahnunterführung nicht gab, verlief die Prozession noch durch die Mühlenstraße, erzählt er. Wie lange sie dauerte, hing auch vom Wetter ab, gestand er: "Bei Regen waren wir schneller wieder zuhause." Auch die Fronleichnamsprozession führte an einigen Wegestöcken vorbei. "Jenseits der Bahn haben wir eine Pause eingelegt. Der Baldachin war mühsam zu tragen", sagt er. Zudem waren die Wege noch nicht so gut ausgebaut wie heute. "Da haben die Füße schneller kapituliert", erzählt er.

Außergewöhnlich an den Wegestöcken sind die Mosaiken, die die Nischen zieren und den Leidensweg Jesu schildern. Geschaffen hat sie ein Künstler aus Kevelaer.

Quelle: NGZ
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