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Korschenbroich
Eine Begräbnisstätte für die Ewigkeit

Korschenbroich: Eine Begräbnisstätte für die Ewigkeit
Eineinhalb Tonnen schwer: Der Heimatverein hatte den Gedenkenstein 2004 eingeweiht, um die Erinnerungen an den jüdischen Friedhof hochzuhalten. FOTO: HPR
Korschenbroich. Weil die Triet den alten jüdischen Friedhof gefährdete, legte die jüdische Gemeinde einen neuen an. Bis 1940 wurde dort beerdigt. Von Marion-Lisken-Pruss

Stünde nicht der Gedenkstein neben dem schmalen Fußweg, der den Borrenweg mit der Pescher Straße verbindet, wer wüsste dann noch davon, dass sich an dieser Stelle einst ein jüdischer Friedhof befand? Der Friedhof war tatsächlich lange Jahre in Vergessenheit geraten, bis das nordrhein-westfälische Innenministerium Ende der 1980er Jahre Nachforschungen anstellte.

Den Gedenkstein hatte der Heimatverein im Jahre 2004 eingeweiht, damit die Erinnerung an den ehemaligen jüdischen Friedhof hochgehalten und das Bewusstsein für die Geschichte jüdischer Familien in Korschenbroich erneuert wird. Pejo Stefes, ehemaliger Leiter des Kulturamtes, kann sich noch gut daran erinnern: "Wir haben den Findling mit einem LKW aus dem Tagebaugebiet abtransportiert und mit einem Kran aufgestellt. Immerhin wiegt er eineinhalb Tonnen", sagt er. Auf einer Bronzetafel wird erklärt, warum der alte jüdische Friedhof geschlossen wurde. Das Hochwasser der Triet hat die Grabstätten immer wieder gefährdet. Die Jüdische Gemeinde Korschenbroich hatte die Regierung in Düsseldorf deshalb im Jahr 1884 darum gebeten, einen neuen Friedhof anlegen zu dürfen. Diese stimmte zu, so dass der neue Friedhof 1889 offiziell eingeweiht werden konnte - keine 100 Meter entfernt am Ende der Donatusstraße.

Doch die ältesten lesbaren Grabsteine datieren bereits in die Jahre 1885, 1886 und 1887. So bleibt unklar, ob die ersten Bestattungen noch vor der offiziellen Einweihung auf dem neuen Friedhof vorgenommen wurden. Zu dieser Zeit wohnten knapp 70 jüdische Mitbürger in Korschenbroich, die in insgesamt neun Haushalten lebten, und die sich vom Viehhandel ernährten, wie der Heimatchronist Hans Georg Kirchhoff in seinem Buch über das "Amt Korschenbroich" schrieb.

Schon 200 Jahre früher sind die ersten Juden in den Ort gezogen. Die letzte Beerdigung auf dem neuen Friedhof fand 1940 statt. Beigesetzt wurde Julie Klein, die 1869 zur Welt kam. In der Pogromnacht des 9. Novembers 1938, als im Deutschen Reich Synagogen zerstört und geplündert wurden, hatten Nazis die Tür der Korschenbroicher Synagoge an der Mühlenstraße aufgebrochen, die Inneneinrichtung zertrümmert sowie drei jüdische Häuser zerstört. Seit 2007 erinnern sogenannte "Stolpersteine" vor den ehemaligen Häusern jüdischer Familien an ihr Schicksal. Erhalten ist heute noch der neue Friedhof. Abgeräumt und eingeebnet werden die Gräber nicht - jüdische Gräber sind für die Ewigkeit. Jede Grabstätte wird nur einmal belegt, weil dies die rituelle, ewige Totenruhe gebietet. Insgesamt befinden sich dort 45 Grabstätten - alle im hinteren Bereich. Denn die Beerdigungen sind chronologisch von hinten nach vorne durchgeführt worden.

Betreten kann man den Friedhof nicht. Er ist mit einer hohen Mauer eingefasst, und das Tor bleibt verschlossen. Aber hindurchgucken durch die Gitterstäbe des Tores, das kann man durchaus.

Quelle: NGZ
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