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Korschenbroich
Eine Hilfswelle für die Flüchtlinge

Korschenbroich: Eine Hilfswelle für die Flüchtlinge
Uschi Johnen zeigt (v.l.) Pfarrer Marc Zimmermann, Martin Kresse und Weihbischof Johannes Bündgens, was die Caritas-Kleiderstube in Pesch alles hergibt. FOTO: Detlef Ilgner
Korschenbroich. Sprachkurse, Spaziergänge, Kinderbetreuung oder Kleiderausgabe: Rund 100 Ehrenamtliche kümmern sich um 387 Asylsuchenden in Korschenbroich. Weitere Helfer werden gesucht, und auch Sach- und Geldspenden sind willkommen. Von Marion Lisken-Pruss

Es sei der stürmische Wind in der letzten Woche gewesen, vor dem sich die beiden Flüchtlingskinder so gefürchtet hätten, sagt Uschi Johnen (78). Sechs Tage lang waren die Kinder und ihre Eltern aus Syrien mit dem Boot auf dem Mittelmeer unterwegs gewesen. "Bei der Überfahrt herrschte Sturm. Deshalb erinnert sie der starke Wind immer wieder an ihre Flucht", fügt Johnen hinzu.

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Seit 27 Jahren engagiert sie sich ehrenamtlich in der Caritas-Kleiderstube in Pesch, aber solch einen Andrang hat sie schon lange nicht mehr erlebt. Mehrmals in der Woche kommen Flüchtlinge zu ihr, die oft nur eine kleine Reisetasche oder Plastiktüte bei sich tragen. In der Kleiderstube werden sie dann mit dem Nötigsten ausgestattet: mit Bettwäsche, Handtüchern, Geschirr, Pfannen, Töpfen und Kleidung. "Alles, was wir verteilen, wurde von Korschenbroicher Bürgern gespendet", sagt sie. "Schwere Kartons oder Kleinmöbel holen wir auch mit dem Auto ab."

Der Bedarf an Sachspenden wie Kinderwagen oder Haushaltswaren bleibt hoch, denn die Stadt rechnet mit weiteren Flüchtlingen. Von der Hilfsbereitschaft der Korschenbroicher zeigt sich der Erste Beigeordnete Thomas Dückers beeindruckt. Die reicht über Sach- und Geldspenden hin zum ehrenamtlichen Einsatz. Auch leerstehende Wohnungen werden der Stadt angeboten. "Wenn es die Unterstützung aus der Bevölkerung nicht gäbe, kämen wir in Schwierigkeiten. Wir freuen uns, dass die Flüchtlinge in ihrem neuen Umfeld so freundlich empfangen werden", sagt er.

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Im Sozialamt melden sich täglich Bürger, die den Flüchtlingen helfen möchten. Rund 100 Ehrenamtliche kümmern sich um aktuell 387 Asylbewerber. Koordiniert wird die Hilfe von Petra Köhnen, die auf ein Netzwerk aus mehreren Arbeitskreisen und Vereinen zurückgreifen kann. Dazu gehört auch der Ökumenische Arbeitskreis Asyl, der Sprachkurse organisiert, in denen Asylbewerber einen alltagstauglichen Wortschatz vermittelt bekommen. Wieder andere Helfer gehen mit ihnen spazieren, um sie mit ihrer neuen Umgebung vertraut zu machen. Auch eine Hebamme hat ihre ehrenamtliche Hilfe angeboten. Im September startet erstmals das "Café International" in Kleinenbroich, in dem sich Einheimische und Flüchtlinge zum Gedankenaustausch treffen können. "Dabei können die Flüchtlinge ihre Sprachkenntnisse schulen", sagt Martin Kresse vom Arbeitskreis Asyl.

Auch der Förderverein der Volkshochschule Kaarst Korschenbroich wird aktiv: Er wirbt dafür, die Kursgebühr für einen VHS-Sprachkurs zu spenden und so die Patenschaften für die Teilnahme an Deutschkursen zu übernehmen. Am Samstag besuchte auch Weihbischof Johannes Bündgens im Rahmen seiner Visitation die Kleiderstube. Trotzdem wünschen sich Thomas Dückers und Martin Kresse übereinstimmend, dass die GdG sich in der Flüchtlingshilfe deutlicher engagiert: "Die Kirche muss Lobbyist der Flüchtlinge sein", fordert Martin Kresse.

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Quelle: NGZ
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