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Korschenbroich
Eine Million Minuten für die schönen Dinge

Korschenbroich: Eine Million Minuten für die schönen Dinge
Der Autor Rolf Küper war zu Gast bei "Korschenbroich liest". Es war sein voerst letzter Auftritt vor einem deutschen Publikum. FOTO: Ilgner Detlef
Korschenbroich. Der Autor Rolf Küper kam zu seiner letzten Lesung in Deutschland nach Korschenbroich. Bald geht er auf Reisen. Von Angela Wilms-Adrians

Der Wunsch klingt bezaubernd: "Ach Papa, ich wünschte, wir hätten eine Million Minuten. Nur für die ganzen schönen Sachen, weißt du?" Das sagte die vierjährige Nina ihrem Vater eines Abends beim Zubettgehen. Vermutlich hören beinahe alle Eltern Ähnliches, halten inne - und machen dann doch weiter wie gehabt. Nicht so Wolf Küper. Der entschied sich für ein Leben abseits der ursprünglich geplanten Karriere. Er nahm sich eine Million Minuten Zeit für eine Reise mit der Familie und schrieb darüber ein Buch. Den autobiographischen Reisebericht stellte er zu seiner letzten Deutschland-Lesung im Pfarrzentrum bei "Korschenbroich liest" vor. Die nächste Reise ist bereits geplant, doch ein zweites Buch soll es nicht geben. "Alles ist gesagt", so der Autor.

"Es gibt wohl kaum einen spannenderen Gast zum Thema", sagte Festival-Organisatorin Rita Mielke mit Blick auf das diesjährige Leitthema "Neue Wege". In der Tat hat Küper mit der Neuausrichtung seines Lebens eine große Kehrtwende vollzogen. Küper, promoviert im Bereich der internationalen Umweltpolitik, berichtete vorab von seiner Arbeit als Tropenforscher und Gutachter für die Vereinten Nationen. Die Karriereaussichten waren gut, brachten aber offensichtlich keine Sinnerfüllung. Ironisch kommentierte der Autor ein Foto mit ernsten Gesichtern, denen jede Lebensfreude fehlt. Dann erzählte er von der "Prinzessin der Langsamkeit", seiner Tochter, hoch intelligent, aber von einer seltenen Behinderung betroffen. Sie braucht für alles ein wenig länger. Und er erzählte vom Glück, zu dem sie führte. Das Buch ist nicht einfach nur ein Erfahrungsbericht über die Reisen nach Australien und Neuseeland. Natürlich kommt die vor Reisebeginn vierjährige Tochter Nina zu Wort, etwa mit ihrer so berührenden Feststellung "Jetzt ist es so schön zuhausig" - gesagt in dem Moment, als das Wohnmobil in einsamer Nacht feststeckt und die Familie nah zusammengerückt ist.

Mit rhetorischen Fragen reflektiert der Autor die Begriffe "Zeit" und "Zuhause". Er hinterfragt das "Irgendwann", das meist ausbleibt, da der günstige Zeitpunkt nie gegeben scheint. Der zweifache Vater bekannte: "Mein Zuhause ist da, wo meine Frau und die Kinder sind".

Quelle: NGZ
 
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