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Korschenbroich
Eine neue Glocke für die Anna-Kapelle

Korschenbroich: Eine neue Glocke für die Anna-Kapelle
FOTO: Knappe Joerg
Korschenbroich. Seit die Anna-Kapelle 1873 an der Rheydter Straße erbaut wurde, gehört sie fest zum Dorfleben. Aus ihrem Vorgängerbau erwarb Domkapitular Alexander Schnütgen eine wertvolle Statue und brachte sie in die Domstadt Köln. Von Marion Lisken-Pruss

Was den Kölner Domkapitular Alexander Schnütgen (1843-1918) vor etwa 150 nach Neersbroich führte, ob es der Zufall war, oder ob er den Ort gezielt aufsuchte, das ist heute nicht überliefert. Jedenfalls kam er auf seiner Reise an der alten Anna-Kapelle vorbei.

Die stand damals nicht an der Rheydter Straße, sondern einige hundert Meter weiter Richtung Schloss Rheydt beim ehemaligen Schürmannshof, wo die Rheydter Straße auf die Straße Krünsend stößt. Auch der Heimatforscher Jakob Bremer kannte ihren ehemaligen Standort noch: "Wo jetzt der Taxusbaum steht, befand sich eine alte Annakapelle", schrieb er 1939 in seinem Buch über Millendonk. Die imposante Eibe gibt es immer noch an der Straßenbiegung, doch an die alte Kapelle erinnert heute nichts mehr. Als Domkapitular Schnütgen durch Neersbroich reiste, war sie vermutlich noch intakt. Und was er darin entdeckte, ließ sein Herz höher schlagen: eine kunstvolle Statue der Heiligen Anna.

Die Heilige Anna ist die Mutter Mariens und gilt als Fürsprecherin der Witwen, der Schwangeren und kinderlosen Frauen. Gleichzeitig untersteht der gesamte Haushalt ihrem Schutz, weshalb Hausfrauen, aber auch Schneider, Krämer und Müller sie zu ihrer Patronin wählen.

Der Domkapitular war so hingerissen von der Skulptur, dass er sie erwarb. Er trug damals eine umfangreiche Kunstsammlung zusammen, die er 1906 der Stadt Köln schenkte. Die wiederum verpflichtete sich im Gegenzug dazu , ein eigenes Museum einzurichten - das heutige Museum Schnütgen.

"Eigentlich müssten wir einmal nach Köln fahren und die Statue besuchen", sagt Michael Manns, der sich gemeinsam mit seinem Sohn Axel Manns und mit Heinz und Gertrud Könes um die neue Anna-Kapelle kümmert. Die erbauten die Neersbroicher 1873 an ihrem heutigen Standort gegenüber der Wirtschaft "Am Tömp", dem heutigen griechischen Restaurant Poseidon, nachdem die alte Kapelle verfallen war.

Warum die Neersbroicher einen neuen Platz wählten, ist unbekannt. Jedenfalls steht sie zentraler und ist dadurch aktiv ins Dorfgeschehen eingebunden - bis heute. So hielt Pfarrer Marc Zimmermann hier im Juli eine Dankmesse anlässlich der 750-Jahr-Feier der Bolten-Brauerei. "Wenn der Schützenkönig wie dieses Jahr aus Neersbroich kommt, richten wir die Kapelle ebenfalls festlich her", sagt Axel Manns. Die Kränze dafür bindet er selbst. Am Namenstag der Heiligen Anna (26. Juli) feiert die Kapellengemeinschaft alle zwei Jahre ein Kapellenfest. Und sie gedenkt hier auch ihrer verstorbenen Nachbarn im Gebet.

Einen Wunsch hegt Michael Manns schon sehr lange: Er möchte, dass die Kapelle in Neersbroich eine neue Glocke erhält. In einer Glockengießerei bei Daun in der Vulkaneifel hat er sich bereits umgesehen und erkundigt. "Die Glocken werden dort handgefertigt und haben eine Lieferzeit von einem halben Jahr", sagt der Ehrenamtler. Weihnachten, so hofft er, soll die neue Glocke fertig sein.

Quelle: NGZ
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