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Korschenbroich
Flucht und Fremde sind Bibel-Themen

Korschenbroich. Im Gesprächskreis für Senioren sprach Gastreferentin Anne Blaese über Willkommenskultur. Von Angela Wilms-Adrians

Themen wie die amerikanische Präsidentenwahl ließen das Flüchtlingsthema im Gesprächskreis für Senioren beinahe in den Hintergrund geraten. Doch die Unterkünfte sind voll. In Korschenbroich leben 457 Flüchtlinge. Ein vorläufiger Höchststand war im Februar 2016 mit 714 Personen erreicht. Mitte Dezember werden in Korschenbroich 30 Neuankömmlinge erwartet. "Es ist davon auszugehen, dass mehr folgen werden", sagt Pia Glauwitz, zuständig für Asyl im Stadtgebiet.

Margret Müller und Ulrike Schlüter vom Pfarreirat St. Dionysius wissen um Ängste und Vorbehalte. Sie luden Anne Blaese in den Gesprächskreis für Senioren im "Kiddytreff" des Dionysiushauses ein. Die Seniorenbeauftragte des Bistums Aachen in der Region Mönchengladbach machte deutlich, dass die Bibel klare Vorgaben zur Flüchtlingsfrage gibt. "Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten und du sollst ihn lieben wie dich selbst, denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen", heißt es in den Weisungen des Levitikus. Das Neue Testament erzählt von der Flucht der Heiligen Familie.

Blaese berichtete von Erfahrungen in der Flüchtlingsarbeit, zum Beispiel von der Umwandlung ungenutzter Räume in Wohnungen. Vor allem aber zielte sie auf das Einfühlungsvermögen. "Wann haben Sie sich fremd gefühlt?", "Überlegen Sie sich zehn Begriffe, was Menschen mit der Flucht zurücklassen", "Wie verhält sich ein Christ?", fragte Anne Blaese in der Aufforderung zum Gedankenaustausch. Margret Müller wusste, bei einer Flucht bleiben Familie, Heimat "mit allem was dazugehört", Hab und Gut, meistens auch der erlernte Beruf zurück.

Eine Besucherin, die in jungen Jahren aus der ehemaligen DDR ins Rheinland gekommen war und freundliche Aufnahme gefunden hatte, betonte: "Man sollte nie verbohrt sein, sondern den Menschen sehen." Das war ein Stichwort zur Bereitschaft, im Fremden den Mitmenschen in seiner Würde zu sehen. "Wenn einer sich fremdfühlt und Gemeinschaft findet, wird es schon besser", befand Anne Blaese.

Eine Besucherin erinnerte sich bei dem Gesprächskreis für Senioren an die eigene Evakuierung. "In einer Nacht- und Nebelaktion haben wir uns mit einem Kinderwagen auf dem Weg gemacht. Damals waren wir die Fremden", erzählte sie. Für die Anforderungen von heute empfahl Anne Blaese, aktiv und wachsam zu sein. "Man muss am Ball bleiben. Es muss jemand zuverlässig da sein", sagte sie und fügte mit Blick auf bereitstehende Plätzchen hinzu: "Und es ist schön, wenn Menschen dann einen gedeckten Tisch vorfinden."

Quelle: NGZ
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