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Korschenbroich
Flüchtlinge wollen Brandschutz lernen

Korschenbroich. Alle Unterkünfte sind mit Rauchmeldern und Feuerlöschern ausgestattet - aber kaum jemand weiß, wie man sie bedient. Viele Flüchtlinge wünschen sich Nachhilfe, um im Ernstfall handeln zu können. Die Stadt ist dazu aber nicht verpflichtet. Von Christian Kandzorra

Ganz schön verstaubt ist der Feuerlöscher, den Husni Hussein aus einer Ecke im hinteren Teil des Wohnzimmers hievt und auf den Tisch stellt. "Wir haben ihn zum Glück noch nie gebraucht", sagt der Syrer, der vor einigen Monaten aus seiner Heimat geflüchtet ist und nun mit 17 anderen Flüchtlingen in einem ehemaligen Bauernhof an der Hochstraße in Kleinenbroich untergekommen ist. Er gibt zu: Im Ernstfall wüsste er nicht auf Anhieb, wie er den Feuerlöscher zu bedienen hätte. Auch Elke Lüdke, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagiert und häufig bei den "Jungs", wie sie die jungen Männer aus Syrien nennt, vorbeischaut, kann ihnen nicht wirklich weiterhelfen: ratlose Blicke auf den roten Behälter.

Offenbar ist das kein Einzelfall. Wenn sich die Stadt auch bemüht, in allen Flüchtlingsunterkünften, deren Bau sie selbst in Auftrag gegeben oder die sie für die Schutzsuchenden angemietet hat, Rauchmelder und Feuerlöscher zu installieren: Kaum jemand weiß, wie etwa die Feuerlöscher richtig zu bedienen sind. Die Hinweise, die auf den schweren Löschern aufgedruckt sind, sind ausschließlich in deutscher Sprache verfasst; und das Deuten der Piktogramme raubt im Ernstfall zu viel Zeit. Eine Hinweistafel, wie sich die Bewohner der Unterkunft im Brandfall zu verhalten haben, ist an der Hochstraße ebenfalls nicht vorhanden.

Dabei ist das Risiko, dass Brände in Flüchtlingsunterkünften ausbrechen, vergleichsweise hoch: An der Hochstraße etwa rauchen viele der Bewohner leidenschaftlich gerne auch im Haus; außerdem kochen sie viel auf den Herden, die ihnen zur Verfügung stehen, und nutzen die Steckdosen für viele unterschiedliche Geräte. Nach Einschätzung von Werner Ortmann, der sich ebenfalls in der Flüchtlingshilfe engagiert, ist auch das eine Gefahrenquelle: "Es kommt vor, dass Flüchtlinge an elektrischen Leitungen basteln und sich diese nach ihren Bedürfnissen einrichten - so, wie sie es oft aus ihren Heimatländern kennen."

Werner Ortmann, der für seine vielen Anregungen in Korschenbroich bereits bekannt ist, wünscht sich, dass Flüchtlinge mit dem Brandschutz besser vertraut gemacht werden und verweist auf andere Städte, die den Neuankömmlingen Nachhilfe in Sachen Brandschutz geben. Beispiel: Kaarst. Dort gibt die Freiwillige Feuerwehr den Flüchtlingen Schulungen, bei denen ihnen auch erklärt wird, wie ein Feuerlöscher richtig bedient wird. Husni Hussein und Elke Lüdke vermissen solche Crash-Kurse. "Uns hat das bisher niemand erklärt. Das wäre aber wünschenswert", sagt Lüdke. Bei den Flüchtlingen an der Hochstraße ist Bahaa Aldin Ayoub der einzige, der wüsste, wie so ein Feuerlöscher funktioniert. Er hatte bei seiner Arbeit in Syrien den fachgerechten Umgang damit lernen müssen. Doch: Was, wenn er mal nicht da ist? Ein kleiner Brand könnte dann zu einem großen werden.

Im Falle eines Feuers, so die Stadt, sollten die Flüchtlinge das Haus verlassen und die Feuerwehr rufen. Beigeordneter Thomas Dückers betont: "Die Sicherheit der Menschen in den Unterkünften hat für uns oberste Priorität." Der Brandschutz habe in den Flüchtlingsunterkünften einen hohen Stellenwert, jedoch fänden keine gesonderten Einweisungen statt, die die Bedienung von Feuerlöschern betreffen. Dazu sei die Stadt auch nicht verpflichtet.

Seit Anfang vergangenen Jahres hat es in Korschenbroicher Flüchtlingsunterkünften zweimal gebrannt: Am 25. August 2016 rückte die Feuerwehr zu einem Wohnungsbrand an der Schaffenbergstraße aus; am 31. März dieses Jahres war der Hausanschlussraum in der Unterkunft an der Schiefbahner Straße in Brand geraten.

Quelle: NGZ
 
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