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Korschenbroich
Fotokünstler Neuse wirft Blick zurück in die Zukunft

Korschenbroich. Die Ausstellung im Rathaus unter dem Titel "Looking back into the future" läuft noch bis zum 24. Februar.

Vertraut und doch verwandelt wirken drei großformatige Kunstwerke im Foyer des Rathauses. Unschwer lassen sich Verweise auf Werke der alten Meister da Vinci, Botticelli und Vermeer erkennen. Die drei Fotografien sind Teil der Kunstausstellung mit Werken des Düsseldorfer Fotografen Wilfred H.G. Neuse. Bis zum 24. Februar stellt er auf Einladung von Stadt und Freundeskreis für Kunst und Kultur aus. Unter dem Titel "Looking back into the future" schlägt Neuse über Motivwahl und Gestaltung den Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Im ästhetischen Spiel jongliert er mit Anlehnung und gleichzeitiger Zerstörung. Er fotografiert, macht analoge Fotografien mit Negativen, bezieht Polaroids ein, "verwischt", scannt nach der Entwicklung und bearbeitet am Computer. Dabei lässt er Altes im neuen Umfeld fragmentarisch durchschimmern. Die Perspektivwechsel laden ein, Sichtweisen zu hinterfragen.

Über das analog fotografierte Motiv von Vermeers "Mädchen mit dem Perlohrring" legte der Künstler die eingescannten Strukturen eines zerknitterten Polaroids. Auf Leinwand gedruckt, bekommt die digital bearbeitete Fotografie die Anmutung eines verwitterten Freskos. Die Nachbarbilder, wie das nach dem Kunstfrühling aus Mitteln der Sparkassenstiftung angekaufte Bild "Wrapped Mona", schillern durch den Druck auf AluDibond, ein Verbundmaterial mit mehreren Aluminium-Schichten, im matten Glanz, während an hellen Stellen das Metall durchschimmert. "Ich finde die alten Meister unheimlich faszinierend", sagt Neuse zum zeitübergreifenden Dialog, über den er den Zeitfluss, den Wandel von Wertvorstellungen beleuchtet. Einige Arbeiten beziehen sich auf zurückliegende Ereignisse. Für das Triptychon "Unter dem Pflaster liegt der Strand" fotografierte der Künstler Fernsehaufnahmen einer Demonstration. Rote Markierungen vor diffusen Hell-Dunkel-Schattierungen assoziieren Gedanken an Blut, Gewalt, aber auch Leben. Für den Zyklus "Metamorphosen" verwandelte Neuse im aufwendigen Verfahren eine verwitterte Werbe-Tafel. Zunächst wirken die Neuschöpfungen abstrakt, dann aber kristallisieren sich Motive heraus. Neuse bekennt: "Beim Rückblick interessiert mich, was hat die Zeit gemacht, wie berührt uns das Vergangene in der Gegenwart."

(anw)
 
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