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Korschenbroich
"Glehn" ist in Estland ein Fürsten-Schloss

Korschenbroich: "Glehn" ist in Estland ein Fürsten-Schloss
Das Schloss Glehn - gut 2000 Kilometer weit von Korschenbroich entfernt im estländischen Ort Nõmme bei Tallinn. Dort ist es ein beliebtes Ausflugsziel. Erbaut wurde es 1886 vom Deutsch-Balten Fürst Nikolai von Glehn. FOTO: Toomas Tuul
Korschenbroich. Weltweit gibt es zwei Orte, die genauso heißen wie der Korschenbroicher Ortsteil. Neben einem kleinen Dorf in der Eifel gibt es im Norden Estlands ein Schloss namens Glehn. Die Geschichte des Anwesens führt Historiker nach Deutschland. Von Christian Kandzorra

Es sieht auf den ersten Blick aus, als sei es Teil einer Spielzeug-Landschaft. Auf einem Hügel gelegen ragt das Schloss majestätisch zwischen alten Bäumen empor. Runde und eckige mittelalterliche Türme, vorne ein schmucker Balkon und ein großes Eingangstor prägen das historische Anwesen.

Das Schloss Glehn ist ein beliebtes Ausflugsziel. Ein Ausflugsziel im Norden von Estland, etwas mehr als 2000 Kilometer vom Korschenbroicher Ortsteil Glehn entfernt. Genauer gesagt: In der Nähe der Hauptstadt Tallinn, rund 80 Kilometer südlich vom finnischen Helsinki.

Das Schloss, das in Estland unter dem Begriff "Glehni loss" bekannt ist, ist nur wenigen Menschen im Korschenbroicher Glehn bekannt. "Davon habe ich noch nichts gehört", sagt Joachim Schröder, Vorsitzender der Heimatfreunde Glehn. Auch Schützen-Präsident Hubert Tokloth hat Glehn noch nie in Verbindung mit einem Schloss gebracht. Dabei hat das Schloss in Estland sogar einen historischen Bezug zu Deutschland. Denn der Balten-Deutsche Fürst Nikolai von Glehn (1841-1923) ließ es 1886 dort bauen.

Damals gehörte Fürst Nikolai von Glehn einer Minderheit an, die großen Einfluss in Lettland und Estland hatte und bis ins 20. Jahrhundert die Kultur und das soziale Leben dort prägte. "Und er ist Gründer des Ortes Nõmme", sagt Tuuli Elstrok von "Estland Tourismus", die sich bestens mit der Geschichte des Schlosses und seines Erbauers auskennt. Nõmme ist heute ein Vorstadt-Bezirk der estländischen Hauptstadt, das Schloss ein Konferenzzentrum.

Deutlich bekannter als das Schloss in Estland ist den Glehnern aber sicher ihr "kleiner Bruder" bei Mechernich im Eifel-Kreis Euskirchen. Auf dem gelben Ortseingangsschild steht dort ebenfalls "Glehn". Und einige Korschenbroich-Glehner waren auch schon in dem kleinen Eifeldörfchen, das rund 500 Einwohner zählt, zu Besuch. Zum Beispiel Schützen-Präsident Hubert Tokloth, aber auch einige Glehner Fußballspieler. "Wir hatten 1992 und 1993 in Mechernich-Glehn ein Trainingslager", erzählt Matthias Steinfeld aus Glehn, Ehrenmitglied im Vorstand des Fußballvereins.

Er war Anfang der 1990er Jahre Fußball-Obmann beim SV Glehn und gemeinsam mit der ersten Herrenmannschaft um Trainer Willi Weil in der Eifel unterwegs. Damals spielte die Mannschaft noch in der Bezirksliga mit. Matthias Steinfels erinnert sich: "Wir Glehner haben gemeinsam gegrillt, gekegelt und Fußball gespielt. Es gab mehrere Spiele, die Glehner waren uns sehr sympathisch."

Im Laufe der Zeit ist der Kontakt allerdings eingeschlafen, die Glehner haben sich durch Wechsel in den Vorstands-Reihen und knappe Vereinskassen aus den Augen verloren. Heute besteht gar kein Kontakt mehr in die Eifel - doch der könnte bald wieder aufflammen. Denn der Glehner Heimatverein um Joachim Schröder zieht eine Kontaktaufnahme in Erwägung. "Wir sind schließlich Namensvetter", sagt der Vereins-Chef und lacht.

Quelle: NGZ
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