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Korschenbroich
Glehner bewahren Tradition des Beierns

Korschenbroich: Glehner bewahren Tradition des Beierns
Seit 30 Jahren gibt's das Glockenbeiern in Glehn. Zum Team gehören (v.l.) Hans-Peter Menzen, Joachim Schröder, Markus Mockel, Jörg Schulz-Winge, Klemens Schmitz, Reiner Kox und Friedrich Türks von den Heimatfreunden. FOTO: L. Berns
Korschenbroich. Vor genau 30 Jahren wurde das Beiern in Glehn wiederbelebt. Seitdem steigen die Heimatfreunde regelmäßig auf den Kirchturm von St. Pankratius. Am 11. April werden auf vier der Bronzeglocken per Hand Melodien geschlagen. Von Christian Kandzorra

Ganz schön eng, dunkel und staubig ist es im Glockenstuhl von St. Pankratius in Glehn. Die mächtigen, bis zu zwei Tonnen schweren Bronzeglocken füllen die gesamte Holzkonstruktion im oberen Teil des Kirchturms aus. Wer sich an diesem Ort aufhält, der muss schwindelfrei sein und auch dann Ruhe bewahren, wenn das Glockengeläut plötzlich erklingt.

Die Heimatfreunde kann das jedoch nicht mehr wirklich erschrecken. Ein Team von rund 15 Glehnern betätigt seit nunmehr 30 Jahren an drei Terminen im Jahr die Glocken von Hand. Glockenbeiern nennt sich dieser alte Brauch, den die Heimatfreunde auch am kommenden Samstag, 11. April, pünktlich zum Weißen Sonntag wieder aufleben lassen.

Doch was heißt das eigentlich? "Das ist eine alte niederrheinische Tradition, die allerdings nach dem Zweiten Weltkrieg in Glehn eingeschlafen ist. 1985 haben wir sie wiederbelebt", sagt Hans-Peter Menzen. Seitdem werde jedes Jahr zum Weißen Sonntag, zu Fronleichnam und zum Pfarrfest im Mai die Klöppel manuell gegen die Innenwände der Glocken geschlagen.

Menzen hat die gesamte Aktion vor 30 Jahren mit anderen Mitgliedern der Heimatfreunde wieder im Gemeindeleben verankert. Und das war gar nicht so einfach: "Die Zeitzeugen, die sich noch an den Ablauf des Beierns vor dem Krieg erinnern konnten, waren zwischenzeitlich verstorben. Deshalb mussten wir kräftig recherchieren. Aber es hat geklappt", erklärt Menzen.

Gebeiert wird in drei Durchgängen etwa eine Stunde lang, wobei das ausführende Team nicht mit den Glockenschlägen zur viertel, halben, dreiviertel und vollen Stunde in Konflikt kommen darf.

"Die Tonvielfalt ist mit vier Glocken natürlich begrenzt", sagt Klemens Schmitz. Er gehört ebenfalls zu den Glehnern, die fürs Beiern in den hohen Kirchturm klettern. Viel schiefgehen kann da nicht, doch weil nicht jeder Glocken-Spieler Noten lesen kann, haben sich die Heimatfreunde einen speziellen Spielplan zusammengestellt.

"Alle Glocken sind durchnummeriert und farbig markiert. Vier von uns schlagen die Glocken. Einer dirigiert das Zusammenspiel und orientiert sich dabei auf der kinderleicht aufgebauten Spieltafel, die oben im Glockenstuhl aufgehängt wird", sagt Hans-Peter Menzen. "Schließlich soll sich niemand verspielen."

Bei den meisten Glehnern komme der Brauch seit vielen Jahren gut an. "Viele verfolgen das Spektakel und achten auf die Melodien - auch wenn sie relativ einfach gehalten sind", sagt Jörg Schulz-Winge vom Beier-Team, das inzwischen von Andreas Ratzmann aus Glehn koordiniert wird.

"Das Ganze ist natürlich konfessionsübergreifend. Es geht in erster Linie darum, die Tradition aufrecht zu erhalten", sagt Joachim Schröder, der Vorsitzende der Glehner Heimatfreunde. Der Verein blickt in Sachen Glockenbeiern zuversichtlich auf die kommenden 30 Jahre.

Quelle: NGZ
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