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Korschenbroich
Glehner Siedlergemeinschaft löst sich auf

Korschenbroich: Glehner Siedlergemeinschaft löst sich auf
Im Jahr 1975 präsentierte sich die Siedlergemeinschaft Glehn noch vielzählig, auch mit einigem Nachwuchs. FOTO: Archiv der Siedlergemeinschaft
Korschenbroich. Weil es schon seit zwei Wahlperioden keinen jüngeren Vorstand gibt, löst sich die Siedlergemeinschaft Glehn zum Jahresende auf: Der Verein wurde 1950 von zehn Familien gegründet und zählte in 90er Jahren fast 80 Mitglieder. Von Karin Verhoeven

Die Siedlergemeinschaft Glehn löst sich jetzt auf. Sie wurde 1950 gegründet - in einer Zeit, in der die Folgen des Zweiten Weltkrieges noch nicht überwunden waren und es für die Rückkehrer aus der Gefangenschaft sowie für die Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten an Wohnraum fehlte. "1950 nahm eine Gruppe von Heimatvertriebenen gemeinsam mit einigen Glehnern den Plan in Angriff, im Westen zu bauen," erklärt Gerhard Tumma, der seit Januar 2001 erster Vorsitzender der Siedlergemeinschaft Glehn ist.

Der 66-jährige berichtet weiter: "Die katholische Kirchengemeinde Sankt Pankratius stellte Land zur Verfügung und schloss 1950 mit der Rheinischen Heimstätte Erbbauverträge. Günstige Kredite gab es über den Bauträger, die damalige Rheinische Heimstätte - seit 2006 umbenannt in "Verband Wohneigentum Rheinland", berichtet der Vereinschef und führt weiter aus: "Auch Lastenausgleich wurde zugesichert. Grundsätzlich aber mussten etliche Auflagen erfüllt sein, weil die Siedler Selbstversorger werden und dadurch einen krisenfesten Lebensstandart erreichen sollten." So musste die Grundstücksgröße mindestens 1000 Quadratmeter betragen.

Einige Jahre später waren nur noch 800 Quadratmeter vorgeschrieben, gerade eben genug für den vorgeschriebenen Obst- und Gemüseanbau sowie für Kaninchen-, Schweine- und Hühnerhaltung. Tumma weiß aus den Unterlagen des Vereins zu berichten: "Begonnen hatte das Siedeln mit zehn bauwilligen Personen, die aus einer ganzen Anzahl Bewerbern ausgesucht worden waren." Zu den ersten zehn Siedlern in Glehn nach dem Zweiten Weltkrieg gehörten an der Marienstraße die Familien von Albert Jordan, Johann Esser, Paul Hütches, Theophil Weisner, Rudolph Rogge, Kurt Glanert, Mathias Ferfers und Heinrich Ebertz. An der Hedwigstraße waren es die Familie von Georg Elfinger, an der Schloss- Dyck- Straße war es Familie Erwin Wünnemann. Er wurde im Gründungsjahr der erste Vorsitzende in der Geschichte des Vereins wurde. Die Siedler halfen sich gegenseitig, ein Haus nach dem anderen im Rohbau fertig zu stellen.

Muskelkraft und Spaten ersetzten die heute selbstverständlichen Maschinen. Die ersten Häuser an der Marienstraße hatten eine Klärgrube und noch keine Kanalisation. Fürs Trinkwasser wurde ein Brunnen gebohrt. Erst in den 1960er Jahren wurde das weiter gewachsene Siedlungsgebiet im Zuge des Straßenausbaus an die Wasserversorgung und ans Kanalnetz angeschlossen. Die Siedler lernten damals wie heute in Vorträgen alles über Obst- und Gemüseanbau sowie Viehhaltung. Zu Siedler-Fachberatern ließen sich zunächst Ilse Willer, Egon Krause und Artur Tumma ausbilden und 2003/2004 auch Ingrid Boderke und Gerhard Tumma. Die Glehner Siedler waren vorausschauende Menschen. Und so wurde wöchentlich bei allen Mitgliedern für Winterkohle zum Beheizen der Häuser gesammelt.

In späteren Jahren sammelte der Verein nur noch monatlich und es wurde mit diesem Geld der Jahresausflug finanziert. Dass die Glehner Siedlergemeinschaft auflöst, liegt daran, dass es keine jüngeren Leute für die Vorstandsarbeit gibt. Der Vereinschef erklärt: "Wir haben vier Mitglieder über 90 Jahre und Mitglieder unter 60 Jahre sind nur ganz wenige von uns."

Quelle: NGZ
 
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