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Korschenbroich
Gymnasiasten gewinnen Landeswettbewerb mit Internet-Blog

Korschenbroich. Für die beiden Gymnasiasten war es ein merkwürdiges Gefühl, sich allein auf einen Friedhof zu begeben, der eigentlich gar nicht öffentlich zugänglich ist. Denn der jüdische Friedhof in Korschenbroich ist fast immer abgeschlossen. "Für uns war es da schon etwas ganz Besonderes, im Vertrauen den Schlüssel für den Friedhof zu erhalten", sagt Marcel Kolb (16), der etwa die historischen Grabsteine dort gemeinsam mit seinem Schulkollegen Eddi Schüth (17) für einen Schülerwettbewerb mit dem Titel "Begegnungen mit Osteuropa" genauer unter die Lupe nahm. Von Christian Kandzorra

Ermöglicht hatte ihnen das Michael Rubinstein. Er ist Vorsitzender des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden Nordrhein und zufällig der Vater einer Schulkameradin. Er war es auch, der Marcel Kolb und Eddi Schüth mit Infos "aus erster Hand" versorgte, darunter sogar mit historischen Dokumenten über das jüdische Leben in Korschenbroich. "Für uns war der lokale Bezug entscheidend", erzählt Eddi Schüth. Beide waren von Geschichtslehrer Patrick Albrecht auf den landesweiten Wettbewerb aufmerksam gemacht worden und hatten sich entschieden, einen Internet-Blog über den jüdischen Friedhof und auch über das jüdische Leben in ihrer Heimat zu schreiben.

Dass sie damit so erfolgreich sein würden, hätten sie nicht gedacht: Marcel Kolb und Eddi Schüth belegen bei dem Wettbewerb den ersten Platz. Das macht auch Geschichtslehrer Patrick Albrecht mächtig stolz: Er lobt die beiden, die in einem außergewöhnlich hohem Maße selbstständig gearbeitet hätten. "Die Schüler haben verschiedene Bezüge zu Osteuropa, darunter die Schulpartnerschaft mit Ungarn, bei der es auch immer wieder um das jüdische Leben geht."

Für Kolb und Schüth, die in die elfte Klasse gehen, zählt die Anerkennung deutlich mehr als das Preisgeld (100 Euro), das sie jetzt durch den Sieg beim Wettbewerb erhalten. Schließlich sei mit dem Blog jede Menge Arbeit verbunden gewesen. "Wir haben etwa 65 Stunden Zeit investiert", berichtet Marcel Kolb. Beide haben zu diversen Themen, die mit dem jüdischen Leben in Korschenbroich in Zusammenhang stehen, etliche Artikel geschrieben, die sie auf vier Haupt-Kategorien aufgeteilt haben. In ihrem Blog geht es allgemein um den jüdischen Friedhof, auf dem bis 1940 - also bis in den Zweiten Weltkrieg hinein - Begräbnisse stattfanden, um den Landesverband und das heutige jüdische Leben, sowie um Briefwechsel jüdischer Bürger und um den Auftritt des jüdischen Theaters Tel Aviv, das einmal in Korschenbroich zu Gast gewesen sein soll. All das konnten sie aus den Quellen entnehmen, die ihnen Michael Rubinstein bereitgestellt hatte. "Anhand einiger Schriften können wir ganze Familiengeschichten nachvollziehen", sagt Eddi Schüth. Die beiden geschichtsaffinen Gymnasiasten planen nun, ihren Blog, der bisher nur mit Passwort zugänglich ist, zu veröffentlichen.

Quelle: NGZ
 
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