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Korschenbroich
Hermann Behrendt fördert Flüchtlinge

Korschenbroich: Hermann Behrendt fördert Flüchtlinge
Er hofft auf eine bessere Zukunft: Nuri Meziu . Er lebt mit zwölf weiteren Männern im Hallenbad, lernt eifrig Deutsch bei Hermann Behrendt und versucht sich als Praktikant - mit James Brown (r.) - bei der "aha GmbH" viel Wissen anzueignen. FOTO: Ilg
Korschenbroich. Bis vergangenen Herbst war Hermann Behrendt noch im AfD-Ländervorstand aktiv. Mit dem Rechtsruck verließ der Jurist (74) die Partei. Heute gibt er als Ehrenamtler Sprachunterricht und sucht Praktikumsstellen für seine Schützlinge. Von Ruth Wiedner

Nuri Meziu (27) ist angekommen: Er lernt Deutsch und darf als Praktikant in einem Korschenbroicher Unternehmen Berufserfahrung in der Stahlverarbeitung sammeln. "Ich bin sehr, sehr glücklich", sagt Nuri Meziu. Er steht an der Werkbank und lässt dabei geschickt Stahlkappe für Stahlkappe durch seine Hände gleiten. Anerkennende Blicke gibt's dafür von seinem Kollegen James Brown. Seit gut zwei Wochen sind sie ein Team. Zunächst hat Nuri Meziu einen Praktikumsvertrag bei der "aha Albert Haag GmbH" für zwei Monate. Wie es danach weiter gehen wird, ist noch völlig offen.

Nuri Meziu kommt aus Albanien. Die bittere Armut trieb ihn vor sechs Monaten aus seinem Heimatland. "Wir hatten nichts, auch nichts zu essen", beschreibt er die drückende Not, die seine Familie - die Eltern und seine sieben Geschwister - täglich quälte. Der 28-Jährige weiß, dass für ihn als sogenannter Wirtschaftsflüchtling die Chance, in Korschenbroich dauerhaft bleiben zu dürfen, relativ gering ist: "Ich hoffe aber weiter." Und dabei ist ihm die Unterstützung von aha-Geschäftsführer Robert Eßer und die von Hermann Behrendt sicher.

Hermann Behrendt macht sich stark für die Flüchtlinge in Korschenbroich. Er ist einer von vielen Ehrenamtlern, die sich in ihrer Freizeit um die aktuell 709 Flüchtlinge im Stadtgebiet kümmern. "Jeder wie er kann", sagt der 74-Jährige. Während seine Frau Helga für eine dreiköpfige Familie aus dem Irak eine Patenschaft übernommen hat, unterrichtet er mit seinen Mitstreiterinnen Schütz, Schäfer und Gregusch zweimal wöchentlich Deutsch in der Alten Schule Steinstraße. "Die Sprache ist wichtig, aber auch eine Praktikumsbescheinigung." Und mit diesem Wissen schreibt der promovierte Wirtschaftsjurist örtliche Firmen an.

Bei der Haag GmbH war er erfolgreich. Zurzeit steht er in Kontakt mit einem örtlichen Malerbetrieb. "Ich regele alles im Vorfeld mit der Ausländerbehörde in Grevenbroich", versichert der Ruheständer. Schließlich ist Behrendt überzeugt: "Nur mit der Sprache, einer Wohnung und einer Festanstellung wird die Integration gelingen." Dabei ist er für die Unterstützung der Kreisbehörde dankbar.

Hermann Behrendt hat jetzt wieder Zeit - und die will er "vernünftig nutzen". Er war bis Herbst noch einer der führenden Köpfe der AfD (Alternative für Deutschland) in Nordrhein-Westfalen. Beim Landesparteitag in Essen stand der Korschenbroicher nicht mehr für einen Vorstandsposten zur Verfügung. Mehr noch, er erklärte gemeinsam mit Bernd Lucke seinen Austritt. Mit der rechtspopulistischen Partei verbindet Hermann Behrendt nichts mehr. Den gewaltbereiten Fremdenhass gegenüber Flüchtlingen, wie jetzt wieder am Wochenende, verurteilt Behrendt aufs Schärfste: "Es ist entsetzlich, was sich da in Sachsen abspielt." Der Korschenbroicher fühlt sich in seinem Parteiaustritt und seinem ehrenamtlichen Einsatz für Flüchtlinge einmal mehr bestätigt.

Doch fremdschämen alleine reicht ihm nicht, und so besucht Behrendt Nuri Meziu in der Haag-Halle, schaut ihm über die Schulter und hört gerne, wie "fleißig, kompetent und lernwillig" sich sein Schützling anstellt.

Quelle: NGZ
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