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Korschenbroich
Historische Funde im alten Gemäuer

Korschenbroich: Historische Funde im alten Gemäuer
Severin Baumeister restauriert die historischen Gemäuer des Hauses an der Schloss-Straße 22: Bei seinen Arbeiten hat er schon viele alte Dinge gefunden. Am kuriosesten waren zwei eingemauerte Schuhe. FOTO: Lothar Berns
Korschenbroich. Bei der Restaurierung seines Elternhauses im historischen Ortskern von Liedberg ist Severin Baumeister auf zahlreiche historische Spuren gestoßen. Die bedeutendste Entdeckung waren die eingemauerten Schuhe im Obergeschoss. Von Marion Lisken-Pruss

Geschmackvoll mit lila Petunien bepflanzt sind die Blumenkästen vor den Fenstern. Wohnlich wirkt die Straßenfront, doch der Schein trügt. Hinter der Fassade wird umgebaut, und das seit zehn Jahren. So lange schon restauriert Severin Baumeister sein Elternhaus an der Schloss-Straße 22 in Liedberg. Wann es wieder bewohnbar ist, kann er noch nicht absehen. "Ich arbeite nach Feierabend in dem Haus. Das ist mein Hobby", sagt der gelernte Maurer. In diesem Jahr war seine Zeit zudem knapp bemessen: Denn als Schützenkönig der St.-Sebastianus-Bruderschaft Liedberg musste er zahlreiche Termine wahrnehmen.

Bei seiner Restaurierung ist er bislang von bösen Überraschungen, wie sie Jahrhunderte alte Häuser gerne bereithalten, verschont geblieben. Dafür ist er auf zahlreiche Spuren gestoßen, die einiges über das Leben der Bewohner verraten und noch mehr Rätsel aufgeben. Soviel steht fest: Das Haus erbaut haben Henricus Eckert und seine Ehefrau Margareth, und zwar im Jahre 1741. Das verrät die Inschrift im Türsturz. Ob sie bereits eine Schmiede betrieben haben, ist nicht bekannt. Aber Spuren eines alten Schmiedekamins mit Rauchabzug lassen darauf schließen, dass frühere Bewohner hier die für den Steinbruch benötigten Werkzeuge gefertigt haben.

Zwei alte Spaten hat Severin Baumeister bei der Restaurierung sichergestellt. Der historisch bedeutendste Fund, den er gemacht hat, waren die eingemauerten Schuhe im Obergeschoss. Wobei es sich nicht um die einzigen eingemauerten Schuhe im Ort handelt: Im Rahmen der Sanierung von Schloss Liedberg wurden bereits im gotischen Turm eingemauerte Schuhe entdeckt. Auch in der Gaststätte "Zum Anker" in Korschenbroich fand man gut 300 Jahre alte Schuhe im Mauerwerk. Warum Schuhe früher eingemauert wurden, ist bis heute nicht eindeutig geklärt, genau so wenig wie die Frage, warum dieser Jahrhunderte alte Brauch vollends in Vergessenheit geraten konnte. Deshalb können Fachleute nur vermuten, dass den Schuhdepots eine Abwehr- und Schutzfunktion sowohl für das Gebäude als auch für die Bewohner zugesprochen wurde.

Dass sein Wohnhaus früher mit dem linken Nachbarhaus Nummer 24 eine Einheit bildete, wie es in der Baudenkmäler-Liste im Internet steht, glaubt Severin Baumeister nicht. "Zwischen den Gebäuden lag einst eine Brandgasse", sagt er. Vielmehr konnten die Bewohner durch den tonnengewölbten Keller in das rechts gelegene Nachbarhaus gelangen. Mehr noch: Beide Häuser teilten sich einen Brunnenschacht. Der diente vermutlich als illegaler Einstieg in eine der unterirdischen Sandminen Liedbergs. Nachdem das Bergbauamt Düsseldorf 1881 untersagt hatte, Sand unterirdisch abzubauen, umgingen viele Sandbauern das Verbot und stiegen durch Brunnenschächte widerrechtlich in die Sandminen ein. Das haben auch die Bewohner des Sandbauernhofs so gemacht, wovon der Brunnen auf dem Pausenhof noch zeugt.

Wenn Severin Baumeister fertig ist mit der Restaurierung, dann wird das Badezimmer über dem Brunnen liegen. Den rund 25 Meter tiefen Schacht will er mit einer Lichtleiste beleuchten: "Das wird das spektakulärste Bad in ganz Nordrhein-Westfalen", ist er überzeugt.

Quelle: NGZ
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