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Korschenbroich
Immer mehr Bedürftige nutzen die Tafel

Korschenbroich: Immer mehr Bedürftige nutzen die Tafel
Jeden Dienstag öffnet die Tafel in Kleinenbroich ihre Ausgabestelle in den AFB-Räumen, Am Hallenbad 66: Lebensmittel verteilen Renate Erhart, Martina Kaufmann und Jasim Mohamed Mia (v.l.) pro Termin dann an mehr als 60 Besucher. FOTO: Ilgner
Korschenbroich. Dienstag kurz vor 15 Uhr. Rund 30 Besucher warten geduldig darauf, dass sich die Türen der "Kleinenbroicher Tafel" in der Straße "Am Hallenbad" öffnen. Drinnen haben sieben ehrenamtliche Helfer bereits Kisten mit Lebensmitteln auf Tischen bereitgestellt: Kartoffeln gibt es, Paprika, Bananen und Pflaumen. Von Marion Lisken-Pruss

Weiter hinten folgen frische Brötchen, Joghurt und Wurstwaren, aufgeteilt in Wurst mit und ohne Schweinefleisch. Auf dem letzten Tisch stehen sogar Blumensträuße. Seit zwei Jahren öffnet die Neusser Tafel regelmäßig dienstags in Kleinenbroich ihre Türen. "Die Lebensmittel, die Supermärkte zuvor gespendet haben, werden von der Tafel angeliefert", erläutert Ulrich Lange für die Neusser Tafel die Vorgehensweise.

Vorne an der Tür lässt Julius Osagie (26) jeweils fünf Personen auf einmal hinein. Er ist aus Nigeria geflohen und hilft beim Verteilen der Lebensmittel. Die Besucher zeigen eine Karteikarte vor und zahlen zwei Euro. "Wir möchten ihnen auf diese Weise vermitteln, dass die Waren einen Wert haben", sagt Heinz-Josef Dackweiler, der ehrenamtlich mithilft. Dann erhält jeder einen kleinen Plastikkorb, den die Ehrenamtler nach den Wünschen der Bedürftigen befüllen. "Der Bedarf ist selbst in wohlhabenden Gemeinden wie Korschenbroich vorhanden", sagt Monika Luchs von der Neusser Tafel.

Gegen 15.30 Uhr waren bereits 50 Kunden da. Es sind überwiegend Flüchtlinge, die sich auf Englisch oder in gebrochenem Deutsch verständigen. Es kommen aber auch immer mehr alteingesessene und jüngere Korschenbroicher, die auf das Tafel-Angebot angewiesen sind.

Susanne Huber (30) ist eine von ihnen. Sie hat einen großen Kiosk in Köln gehabt, sich aber dann von ihrem Mann getrennt. Das Jobcenter hat sie jetzt zur Tafel geschickt. "Das ist ein unangenehmes Gefühl, wenn man bereits für sich selbst gesorgt hat", sagt sie. Doch sie ist optimistisch: "Die Tafel ist nur eine Phase in meinem Leben."

Gedränge gibt es bei der Ausgabe nicht, das haben die Ehrenamtlichen gut geregelt. Wer um 15 Uhr da war und freie Auswahl hatte, darf das nächste Mal erst später kommen und umgekehrt. Sabine Wolf (Name von der Red. geändert) kommt ebenfalls regelmäßig zur Tafel. Sie bezieht Berufsunfähigkeitsrente. Die sei nicht hoch in ihrem Alter, bedauert die 32-Jährige. Es ist mittlerweile 16 Uhr: Der Korb mit Schweinefleisch ist noch gut gefüllt. "Viele der Flüchtlinge lassen das Schweinefleisch aus religiösen Gründen liegen", erklärt Edith Carsjens, die ebenfalls ehrenamtlich zupackt. Dafür befüllt sie Sabine Wolfs Körbchen reichlich mit Schinkenwurst und Salami. Ein junger Flüchtling kehrt noch einmal zurück. Ob noch Blumen da wären, möchte er wissen. Doch gegen 16 Uhr sind die meisten Kisten leer. Brot ist noch übrig - und ein Schälchen mit Himbeeren. Der Fahrer der Neusser Tafel wird die Reste später wieder abholen.

Quelle: NGZ
 
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