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Korschenbroich
In 1100 Tagen um die Welt

Korschenbroich: In 1100 Tagen um die Welt
Eine riesengroße Aschewolke spuckte der Vulkan Calbuco im Süden Chiles aus, als das Ehepaar Thoren dort auf ihrer Reise Halt machte. FOTO: Thoren
Korschenbroich. Ein Vulkanausbruch in Chile, ein Überfall in Peru sowie eine unfassbar schöne Natur: Franz und Hildegard Thoren reisten zwei Jahre durch Süd- und Nordamerika. Im Herbst steht Australien auf dem Programm - mit Pick-up Leoni. Von Marion Lisken-Pruss

Phileas Fogg schaffte es in 80 Tagen. So lange brauchte der englische Gentleman in Jules Vernes Roman "Die Reise um die Erde in 80 Tagen", um einmal um die Welt zu reisen. Franz (64) und Hildegard (62) Thoren lassen sich da mehr Zeit. Drei Jahre haben sie für ihre Weltreise eingeplant - wovon zwei Jahre schon vorbei sind.

Durch 17 Länder sind sie in dieser Zeit gefahren, haben 68.000 Kilometer mit ihrem Pick-up zurückgelegt und halb so viele Fotos aufgenommen. Aktuell macht das Ehepaar zuhause in Stuttgart Station. Pfingsten hatte es die Gelegenheit genutzt, von dort aus nach Korschenbroich zu Unges Pengste zu kommen. Denn Franz Thoren ist gebürtiger Korschenbroicher.

Im Oktober brechen sie zur nächsten Etappe auf: Dann werden sie ein Jahr lang quer durch Australien fahren. Einige Wochen vorher schon werden sie ihren Land Cruiser Pick-up dorthin verschiffen. "Leoni" nennen sie ihn zärtlich, weil er in Leonberg zugelassen ist. "Mit ihm steht und fällt unsere Reise", hebt Franz Thoren die Bedeutung des 17 Jahre alten Wagens hervor.

Ausgestattet mit einer Solaranlage, zwei Schlafplätzen, einer Küche mit Kühlschrank und zwei Gasflammen, mit Toilette, Dusche und Föhn sowie einer umfangreichen Bibliothek an Reiseführern ist er nicht nur Fortbewegungsmittel, sondern unterwegs auch ihr zuhause. Als der Wagen in Brasilien eine Steigung nicht packte und in einen Graben rutschte, wähnte Hildegard Thoren die Weltreise schon nach drei Wochen am Ende.

Doch mit einem Traktor konnten Helfer den vier Tonnen schweren Wagen unversehrt wieder aus dem Graben ziehen. "Auf die Außenwand des Land Cruisers habe ich eine große Weltkarte geklebt, in die ich unsere Route eintrage", erzählt der Korschenbroicher. Begonnen hat alles in Hamburg, von wo aus Franz und Hildegard Thoren sowie der Pick-up Leoni mit einem Frachtschiff nach Uruguay übersetzten.

Weiter ging es die Westküste Süd- und Nordamerikas entlang: Vom Süden Argentiniens bis hoch nach Kanada und dann weiter östlich nach Halifax, von wo aus Leoni wieder zurück nach Deutschland verschifft wurde. Inseln entlang der Reiseroute, sowie die Osterinseln, besuchten sie mit dem Flugzeug oder per Schiff. "Ohne Internet wäre die Reise schwer zu organisieren gewesen", erzählt Franz Thoren.

Er wundert sich heute noch, wie problemlos das in Lateinamerika funktioniert hat, und wie kompliziert der Internetzugang in den USA gewesen ist. Dass sie in Peru einmal überfallen wurden, hat ihnen zwar etwas von ihrer Unbeschwertheit genommen, ihre Reisefreude aber nicht beeinträchtigt.

Bei der Frage, was ihn besonders fasziniert habe, zögert Franz Thoren nicht lange: "Kolumbien sowie die Lagunenroute durch Bolivien", antwortet er und erzählt mit leuchtenden Augen von den Farbenspielen in den Lagunen, von Tausenden von Flamingos und davon, dass die nächtlichen Minustemperaturen auf 4300 Metern Höhe das Abwassersystem im Land Cruiser haben einfrieren lassen. In Kolumbien haben ihn die Schönheit der Kolonialstädte und die Freundlichkeit der Einwohner begeistert.

Vor einem Vulkanausbruch fliehen mussten sie auch. Das war nachts um halb drei in Süd-Chile gewesen, als der Vulkan Calbuco eine Aschewolke und Blitze ausspuckte, und sie voller Angst mit Leoni den Zeltplatz verließen. "Am nächsten Morgen erfuhren wir, dass das Gebiet 20 Kilometer um den Vulkan herum evakuiert wurde. Unser Campingplatz lag 22 Kilometer entfernt", schildert er die dramatische Lage.

Abends, wenn sie ihren Land Cruiser geparkt haben - sei es auf einem Campingplatz oder in freier Natur - sortiert der Korschenbroicher die Fotos, die er tagsüber aufgenommen hat oder schreibt einen Blogeintrag. Unter www.opp-joeck.de kann man die Reiseabenteuer des Ehepaares verfolgen. Wohin es nach der Rückkehr aus Australien geht, wissen sie noch nicht. Ideen haben sie viele, aber auch Sorge, um den alten Pick-up Leonie.

Quelle: NGZ
 
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