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Korschenbroich
Kapelle erinnert an das Ende eine Tierseuche

Korschenbroich: Kapelle erinnert an das Ende eine Tierseuche
Heute bildet die Kreuzkapelle in Engbrück den Mittelpunkt der Honschaft. Noch im 18. Jahrhundert stand sie auf dem Kirchhof von St. Andreas. . FOTO: D. Ilgner
Korschenbroich. Die alte Kreuzkapelle hat eine bewegende Vergangenheit: erst Beinhaus, dann Kapelle und schließlich ein Umzug nach Engbrück. Von Marion Lisken-Pruss

Manch eine Kapelle in Korschenbroich geht auf ein erfülltes Gelübde zurück. So errichtete ein Kleinenbroicher Soldat eine Kapelle, weil er unversehrt aus dem Krieg heimkehrte. Die Bewohner Lüttenglehns bauten die Rochuskapelle, als eine Tierseuche von ihnen genommen wurde. Die Kreuzkapelle in Engbrück hat eine ganz andere Geschichte: Ihre Anfänge liegen in einem Beinhaus, das in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts auf dem Kirchhof der Pfarrkirche St. Andreas stand.

Beinhäuser nahmen damals die Gebeine auf, die noch erhalten waren, wenn ein Grab aus Platzgründen für eine neue Beerdigung wiederverwendet wurde. Als 1823 ein neuer Friedhof - der Alte Friedhof an der Pescher Straße - angelegt wurde, setzte man die Gebeine dort bei - das Beinhaus wurde überflüssig. Die Gemeinde wandelte es in eine Kapelle um und stellte in ihrem Innern das Missionskreuz von 1749 auf. Doch an ihrem angestammten Ort konnte die Kreuzkapelle nicht lange verbleiben. Als der Kirchplatz 85 Jahre später erweitert wurde, stand sie im Weg. Ein neuer Standort war aber schnell gefunden: Die Bürger der Engbrück erklärten sich bereit, die Kapelle ab- und in ihrer Honschaft wieder aufzubauen. Und zwar an einer Stelle "woselbst schon in uralter Zeit Gebetsversammlungen stattfanden, um von Gott Hülfe zu erflehen in Bedrängnissen", wie es in einer Urkunde aus dem Jahre 1910 heißt. Im gleichen Jahr segnete Pfarrer Julius Otto die Kapelle feierlich ein. Auch das Missionskreuz zog mit um. "Für die Patienten der Niederrheinklinik ist die Kapelle ein lohnendes Ziel für einen Spaziergang", sagt Silke Hühren. Zusammen mit ihrem Vater Bruno Post ist sie im Förderkreis "Kreuzkapelle Engbrück" aktiv. Der Verein wurde 1988 gegründet, als eine grundlegende Restaurierung des Gebäudes anstand. Auch das Missionskreuz befand sich damals in einem beklagenswerten Zustand. "Die Christusfigur bestand nur noch aus einer papierdünnen Oberfläche, unter der sich etliche Kilo Holzwurmmehl angesammelt hatten", erinnert sich Bruno Post.

Aber nicht alles in der Kapelle ist alt. Die beiden Holzfiguren, die rechts und links des Missionskreuzes platziert sind und die Muttergottes sowie den Apostel Johannes darstellen, datieren in das Jahr 1997. Fast 25 Jahre zuvor wurden ihre Vorgänger gestohlen, und als sie nicht wieder auftauchten, hat Bruno Post die Figuren anhand alter Fotos in Oberammergau nachschnitzen lassen. "Die Kapelle lebt", sagt Silke Hühren und umschreibt damit, dass das kleine Bethaus fest im religiösen Leben des Ortsteils verankert ist. "Wenn die Fronleichnamsprozession an der Kapelle vorbeizieht, dann sind die Straßen vom Hommelshof bis zur Pescher Straße geschmückt", sagt Bruno Post. Stirbt ein Bewohner der Honschaft, dann wird in der Kapelle auf Wunsch eine Totenandacht gehalten.

Quelle: NGZ
 
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