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Korschenbroich
Kleiderkammer braucht Kopfkissen und Oberbetten

Korschenbroich. Ursula Johnen und ihr Team von der Caritas-Kleiderstube frühstücken einmal pro Woche gemeinsam: Sie stärken sich immer am Samstag Morgen für die bevorstehende Kleiderausgabe. Es herrscht dann so etwas wie die Ruhe vor dem Sturm. Wenn's dann losgeht, weiß jeder der Ehrenamtler, was er zu tun hat. Hektik kommt nicht auf. Die Regale sind gut gefüllt. Aber es kommt trotzdem immer wieder zu Engpässen: Aktuell fehlt es an Sportschuhen und an Kleidung für junge Männer.

Viele der Ehrenamtlerinnen sind schon seit Jahren dabei. Fünf der Frauen kamen einst als Russland-Deutsche nach Korschenbroich. Barbara Jakobowski ist eine von ihnen. Am Samstag wurde sie 57 Jahre alt - für sie kein Grund, nicht zur Kleiderstube nach Pesch zu fahren. "Ich habe das Helfersyndrom", sagt Ursula Arnz. Außerdem gefalle ihr die gute Gemeinschaft. Als sie von Herrenhoff nach Mönchengladbach zog, war für sie klar, dass sie das Ehrenamt in Pesch nicht aufgeben würde. Das Kleiderkammer-Team ist immer auch offen für neue Mitstreiter. Erst seit kurzem dabei ist Inge Daumann. Nach dem Tod ihres Mannes ist die Arbeit in der Kleiderstube eine willkommene Abwechslung für die 68-Jährige.

Allen macht ihr Ehrenamt Spaß. Aber es gibt auch schon mal Grund, sich zu ärgern. Es kommt zwar selten vor, aber manchmal werden verschlissene und verdreckte Textilien abgegeben. Hamed, der vor 15 Jahren als Flüchtling aus dem Iran kam, kümmert sich heute als Mitarbeiter der Stadt um die Asylbewerber. Er passt während der Kleiderausgabe mit auf, dass einzelne Flüchtlinge nicht zu sehr zulangen. "Wir kennen unsere Pappenheimer", sagt Ursula Johnen. Die 78-Jährige kann immer Oberbetten und Kopfkissen gebrauchen. "Wir haben bis vor kurzem das Sozialamt komplett mit Bettzeug versorgen können, aber zuletzt mussten diese Sachen zum Teil zugekauft werden", erklärt Ursula Johnen.

"Kennst Du mich noch?", fragt ein Flüchtling aus dem früheren Jugoslawien. Er kam 1988 erstmals nach Korschenbroich. Die Hilfsbereitschaft der Menschen ist ihm in guter Erinnerung. Gerne kommt er auch heute noch mit seiner Frau vorbei. Dass er nicht mit leeren Händen in seine Heimat zurückkehren wird, liegt nicht zuletzt an der Kleiderstube in Pesch. Neben Textilien gibt es dort auch Porzellan und Körperpflege-Artikel. Um die Ausgabe von Kleidung ein wenig zu begrenzen, wird bis auf die Erstausstattung eine kleine Gebühr verlangt. "Fünf Euro sind die Obergrenze für einen ganzen Sack voll Textilien", sagt Franz Schmid, der sich oft als "Kassierer" betätigt.

(barni)
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