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Korschenbroich
Kleinenbroicherin hilft ein Jahr lang in Malawi

Korschenbroich: Kleinenbroicherin hilft ein Jahr lang in Malawi
Andere Länder, andere Gerichte: Jana Piske bei der Zubereitung des traditionellen Maisbreis "Sima" (oben). Dazu gibt es häufig Bohnen und Huhn. FOTO: privat
Korschenbroich. Jana Piske lebt für ein Jahr in Malawi und arbeitet dort bei einem Straßenkinderprojekt. In den ersten vier Monaten hat sie bereits viele Eindrücke gesammelt. Besonders bei der Sprache gibt's Fortschritte. Von Simon Janssen

Als sie ihre Reise begann, konnte sie nur ein Wort: "Bo", was so viel heißt wie "alles klar". Mittlerweile ist Jana Piskes Wortschatz der malawischen Amtssprache "Chichewa" deutlich ausgeprägter. Denn dank eines intensiven Sprachkurses kann die Kleinenbroicherin nun richtig kommunizieren und mehr als eine Cola bestellen.

Seit vier Monaten lebt Jana Piske in dem südostafrikanischen Binnenstaat und arbeitet beim Straßenkinderprojekt Tikondane in der Hauptstadt Lilongwe. Eine Art Auffangstation mit therapeutischer Begleitung. Damals kam sie nach 41-stündiger und strapaziöser Reise in Malawi an. Mit zwei Mitbewohnerinnen lebt sie in einer WG, 20 bis 30 Minuten Fußweg von Tikondane entfernt. "Es gibt heißes Wasser, jeder hat ein eigenes Zimmer, wir haben ein großes Wohnzimmer, und die Küche ist vollständig", sagt sie. Alles ist zwar ganz anders als in ihrer Heimat, doch als Kulturschock möchte sie ihre ersten Eindrücke nicht bezeichnen. "Es ist einfach eine andere Kultur", sagt sie.

Auch kulinarisch musste sich die 20-Jährige umstellen. Denn das Grundnahrungsmittel "Sima" – eine Art Maisbrei – bestimmt die tägliche Speisekarte. Dazu gibt es Bohnen oder auch Hühnchen. Kein Problem für Jana Piske, denn ihr schmeckt das Traditionsgericht. "Nur Ziegenfleisch, das es häufig gibt, schmeckt mir nicht", sagt die ehemalige Schülerin des Gymnasiums Marienberg in Neuss.

Doch es war nicht das Essen, das die Abiturientin nach Malawi gelockt hat, sondern die Arbeit im Gemeinschaftszentrum Tikondane. Dort werden Kinder empfangen, die von der Straße kommen. Jana Piskes Hauptaufgabe ist die Freizeitgestaltung der Mädchen und Jungen. Nicht immer ein leichter Job, dennoch entsteht dort eine familiäre Atmosphäre. "Wir leben, spielen und kochen zusammen. Das macht mir sehr viel Freude." Doch ihr Aufgabenbereich variiert – schon bald wird sie in der Bücherei fleißig mit anpacken.

Vieles ist ungewohnt, doch je länger die 20-Jährige in Malawi lebt, desto einfacher wird es. Die Menschen empfindet sie als herzlich. So herzlich, dass viele Männer ihr Heiratsanträge machen, worauf sie entgegnet, dass sie bereits verheiratet sei. "Man baut sich so langsam sein Leben hier auf, und man entwickelt einen Alltag", sagt sie.

Ihre Vorstellungen vom Land wurden nicht ganz erfüllt. Erwartete sie zum Beispiel Frauen mit prunkvollem Schmuck, wurde sie eines besseren belehrt. Denn die Menschen haben nicht das Geld für irgendeine Art von Schmuck oder Musikinstrument. Nicht mal aus Holz, das zur Zubereitung des Essens benötigt wird. Da schrauben sich schnell die eigenen deutschen Ansprüche herunter. "Hier dauert alles einfach etwas länger", sagt Jana Piske, die einmal pro Monat per Internet-Telefon mit ihrer Familie spricht. Weihnachten gefeiert hat sie übrigens auch, einige tausend Kilometer von Kleinenbroich entfernt. Es gab Vanillekipferl: "Die sind sehr gut angekommen. Es war ein bisschen Heimat in Malawi."

Quelle: NGZ
 
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