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Günter Thoren
Korschenbroich soll keine Schlafstadt werden

Günter Thoren: Korschenbroich soll keine Schlafstadt werden
Günter Thoren wurde von der Stadt Korschenbroich zum ehrenamtlichen Denkmalbeauftragten bestellt. FOTO: Wiedner-Runo
Grevenbroich. Der ehrenamtliche Denkmalbeauftragte Günter Thoren spricht über den Erhalt alter Bausubstanz und architektonische Negativbeispiele.

Herr Thoren, Sie sind jetzt ehrenamtlicher Denkmalbeauftragter der Stadt Korschenbroich. Wie wird man das?

Günter Thoren Ich habe so oft insistiert und Entscheidungen kritisiert, die nicht fundiert waren. Vielleicht wurden sie auch so und nicht anders getroffen, weil es an Personal in der Verwaltung mangelt. Jedenfalls habe ich wohl durch mein andauerndes Einmischen dieses Pöstchen bekommen.

Braucht eine Stadt wie Korschenbroich so einen Fachmann? Wie ist der Denkmalschutz aufgestellt?

Thoren In Zeiten knapper Kassen wird so etwas ehrenamtlich gemacht. In anderen Kommunen sitzen ausgebildete Fachleute wie promovierte Kunsthistoriker auf einer Vollzeitstelle und kümmern sich um diesen Bereich. In Korschenbroich ist das bisher wechselnd besetzt worden. Im Augenblick ist das eine halbe Stelle bei der Unteren Denkmalbehörde, aber die Verantwortliche wird mit so vielen anderen Aufgaben zugepflastert, dass ihr kaum Zeit bleibt. Da ist es gut, wenn es noch einen Ehrenamtler gibt.

Welche Aufgaben sind denn eigentlich mit dem Ehrenamt verbunden?

Thoren Über den konkreten Aufgabenbereich sprechen wir jetzt. Er wird im Gespräch mit dem Beigeordneten und dem Bauamt definiert. Wir müssen natürlich auch die Art der Zusammenarbeit zwischen mir und der Denkmalbehörde klären. Grundsätzlich unterstütze und berate ich. Ich werde keine Entscheidungen treffen.

Das ist sicher mit viel Aufwand verbunden. Sie sind selbstständiger Unternehmer. Warum tun Sie sich das an?

Thoren Ich tue mir das an, weil in Korschenbroich eine mehr als rege Bautätigkeit herrscht. Alte Bausubstanz wird durch die Wärmeschutzverordnung verändert. Die Niers-Aue wird bebaut. Das ist ein Gebiet, das seit zweitausend Jahren besiedelt ist. Da haben schon Kelten und Franken gesiedelt. Das ist schützenswert. Es gibt ausgewiesene Schutzzonen, aber die müssen auch kontrolliert werden. Darum kümmere ich mich. Erst einmal bekomme ich den Grabungsbericht und kann ihn lesen.

Welche Denkmäler haben Sie im Blick?

Thoren Ich habe kein einzelnes Baudenkmal im Blick. Es wird erst einmal um die Katalogisierung des Vorhandenen gehen. In den 80er Jahren wurde im Hauruckverfahren beschlossen, welche Gebäude als Baudenkmäler eingetragen werden. Man ist einfach durch die Straßen gefahren und hat das festgelegt. Viele Denkmäler wurden nur von außen fotografiert. Mehr gibt es nicht. Ich möchte in allen Stadtteilen die Baudenkmäler umfassend katalogisieren. Das ist eine echte Sisyphus-Arbeit.

Sie haben den Verein "Korschenbroich - meine Heimat" gegründet und sich als dessen Vorsitzender beispielsweise für den Erhalt des alten Pfarrhauses von St. Andreas eingesetzt. Warum?

Thoren Das alte Pfarrhaus ist für mich ein Stück Heimat. Der Abrissantrag hat mich schockiert. Das Erscheinungsbild des Kirchplatzes ist geprägt von Gebäuden aus verschiedenen Epochen: Es gibt Gebäude aus den 1970er und 1990er Jahren, von 1905 und 1858. Das spiegelt Kirchen- und Ortsgeschichte wider. Deshalb war es mir wichtig, das Ensemble zu erhalten. Leider ist es nur geglückt, die Fassade zu retten. Das ist für mich persönlich etwas unbefriedigend, aber immerhin bleibt die Optik erhalten. Im Pfarrhaus wird künftig die Tagespflege der Caritas untergebracht.

Was sehen Sie noch als Ihre Aufgabe an?

Thoren Als Denkmalpfleger hinkt man meist hinterher, aber es ist wichtig, dass jemand drauf schaut, wenn im Ortskern gebaggert wird.

Sie haben bislang eng mit der Oberen Denkmalbehörde des Landschaftsverbandes Rheinland in Brauweiler zusammengearbeitet. Was verändert sich jetzt?

Thoren Ich hatte im Zusammenhang mit dem Hommelshof mit der Oberen Denkmalbehörde zu tun, die sehr befremdet war, dass da ein Baugebiet ohne Prospektion erschlossen wurde. Korschenbroich war Denkmaldiaspora. Es wurde wenig Einsatz für den Erhalt von Denkmälern gezeigt.

Wird Ihr Kontakt zur Oberen Denkmalbehörde jetzt enger?

Thoren Das weiß ich noch nicht, aber grundsätzlich arbeite ich der Unteren Denkmalbehörde der Stadt zu. Mit dem LVR wird es wohl keine vertiefte Kooperation geben.

Sie kritisieren die Fassadengestaltung in Korschenbroich.

Thoren Ja, momentan wird aber eine neue Gestaltungssatzung ausgearbeitet. Sobald die Rohform steht, werde ich einen Blick darauf werfen können. Für Glehn gibt es bereits eine Satzung, Korschenbroich bekommt eine. Eigentlich hat Korschenbroich seit den 80ern eine Gestaltungssatzung, die aber nur wenige Jahre angewendet wurde und dann in Vergessenheit geriet. Vieles ist genehmigt worden, was der Satzung nicht entspricht. Und denkmalwerte Gebäude wurden abgerissen. Korschenbroich soll kein Freilichtmuseum werden, aber eine Gestaltungssatzung ist schon sehr hilfreich. Die Stadt Korschenbroich soll nämlich auch keine gesichtslose Schlafstadt werden.

Können Sie ein Negativbeispiel nennen?

Thoren Ja, zum Beispiel das Haus, das letztes Jahr an der Steinstraße gebaut wurde. Da gibt es keine Sockelbildung, keine Pfeiler, die Klinkerfarbe ist falsch, die Höhen wurden nicht eingehalten.

Als Denkmalschützer macht man sich nicht nur Freunde. Denkmalschutz ist schließlich teuer.

Thoren Mir ist es wichtig, das Ortsbild zu wahren. Es stimmt, Denkmalschutz kostet Geld und es gibt kaum noch Zuschüsse. Es stehen nur drei- bis viertausend Euro pro Jahr für die ganze Stadt zur Verfügung. Aber es gibt immerhin eine erhöhte Abschreibung.

Beraten Sie Bürger in Sachen Denkmalschutz?

Thoren Man kann mich privat oder als Denkmalbeauftragter gern ansprechen.

Welche Wünsche haben Sie für Korschenbroich?

Thoren Ich wünsche mir eine Gestaltungssatzung, die nicht aufgeweicht wird. Und dass Korschenbroich mit all seinen Ortsteilen auch in Zukunft seinen ländlichen Charakter bewahrt und nicht sein Gesicht verliert.

DAS GESPRÄCH MIT GÜNTER THOREN FÜHRTEN ANGELA RIETDORF UND RUTH WIEDNER-RUNO.

Quelle: NGZ
 
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