| 18.14 Uhr

Korschenbroich
Korschenbroichs verlorener Sohn

Korschenbroich: Korschenbroichs verlorener Sohn
Hape Kerkeling, hinter dem in Wirklichkeit Horst Schlämmer steckt, darf nicht gewählt werden. Die anderen Schlämmers der Politik hingegen dürfen es. FOTO: ddp, ddp
Korschenbroich. Die Korschenbroicher sind baff. Dass Horst Schlämmer einer der ihren sein soll, wusste bis gestern selbst Bürgermeister Heinz-Josef Dick nicht. Er ist überzeugt: Kanzlerkandidat Schlämmer kann alles. Er ist ja angeblich Korschenbroicher. Eine Umfrage in der Stadt ergab: Nicht alle sind überzeugt. Von Holger Hintzen und Corinna Henrich

Horst Schlämmer, ein gebürtiger Korschenbroicher – diese sensationelle Enthüllung des neuen Kandidaten für das Amt des Bundeskanzlers verblüffte selbst Bürgermeister Heinz-Josef Dick. "Ich war völlig überrascht. Ich wusste nicht, dass Horst Schlämmer ein Kind unserer Stadt ist", gestand Dick gestern Nachmittag. Doch das Bekenntnis des schnauzbärtigen und stellvertretenden Chefredakteurs des fiktiven Grevenbroicher Tagblatts war eine freudige Überraschung für Dick. "Alles Gute kommt eben aus Korschenbroich."

Angeblich emigriert

Die unerwartete Mitteilung über seine Herkunft aus Korschenbroich kam aus Schlämmers sanierungsbedürftigen Mund, während er vor der Weltöffentlichkeit für seinen Film "Isch kandidiere" die Werbetrommel rührte. Schlämmer, den meisten Menschen schon länger unter seinem wahren Namen Hape Kerkeling bekannt, hatte bisher immer als Einwohner von Grevenbroich gegolten. Schließlich ist der stets in einen grauen Trenchcoat gehüllte Journalist Vize-Chefredakteur des Grevenbroicher Tagblatts. Dass es diese Zeitung gar nicht gibt, stört offenbar weder Schlämmer, noch Hape Kerkelings Fans. Schlämmers jüngster Enthüllung zufolge ist er einst aus Korschenbroich in die noch größere Nachbarstadt emigriert.

Der Wahlkampf des Jux-Kandidaten Schlämmer ist unbestreitbar mit mehr nationaler Aufmerksamkeit angelaufen als der des Korschenbroicher CDU-Bundestagkandidaten Ansgar Heveling. Der gibt denn auch bescheiden zu: "An Horst Schlämmer reiche ich nicht heran. Aber ich bin für Koalitionen offen."

Was Schlämmer dazu bewog, Korschenbroich zu verlassen, war von dem Kanzlerkandidaten gestern nicht zu erfahren. Ein Hape Kerkeling verbandeltes Medienbüro konnte nur mitteilen, der Kandidat werde nach Grevenbroich kommen – und dann womöglich Auskunft geben. Korschenbroichs Bürgermeister Dick weiß auch nichts Genaueres. Bezüglich der politischen Ambitionen des neuen Altbürgers ist er sich aber sicher: "Ein Mann wie Horst Schlämmer kann jedes Amt übernehmen, das in Deutschland zu vergeben ist."

Das sieht Thomas Baum (28) von der Korschenbroicher Berufsfeuerwehr offenbar genauso: "Dass Schlämmer aus Korschenbroich kommt, ist mir neu", bekennt Baum. Und: "Ich würde ihn als Bundeskanzler aber sofort wählen. Wenn es mit dem Bundeskanzleramt nicht klappt, steht ihm der Weg in die Korschenbroicher Kommunalpolitik immer noch offen."

Annegret Jockwer (60), hat allenfalls ästhetische Bedenken: "Er ist ja ziemlich ordinär wie er sonst auftritt, aber die Idee mit der Bundeskanzlerkandidatur find' ich sehr lustig." Bei Ginette Friedrichs und Dieter Wiemer (beide Anfang 60) löste die Kandidatenfrage gestern auf der Hindenburgstraße eine lebhafte und nicht ganz ernsthafte Debatte aus. Friedrichs: "Schlämmer als Bundeskanzler wär mal 'ne Variante." Wiemer: "Bei Leibe nicht!" Friedrichs: "Viel schlechter als die anderen Politiker kann er es nicht machen. Auch als Bürgermeister von Korschenbroich wär er uns sehr willkommen." Wiemer: "Als Bundeskanzler wär er kritisch, aber als Bürgermeister gut. Er könnte uns beim Grundwasser helfen." Wieso? Die Antwort weiß Friedrichs: "Weil er immer spuckt." Und überhaupt schwant ihr: "Was Dick kann, kann Horst Schlämmer schon lange."

"Bloß keine Lokalpolitik!"

Korschenbroich wäre nicht Korschenbroich, gäbe es nicht auch kritischere Stimmen, die Schlämmers Comedy-Kandidatur ernste Überlegungen widmen: Markus Sauer (41), Architekt: "Wenn man im Bereich Publizistik tätig ist wie Horst Schlämmer, ist es auf jeden Fall eine mutige Idee sich als Bundeskanzlerkandidat aufstellen zu lassen. Er führt damit die Politik ins Absurde. Vielleicht wird in Bereich Politik ja mal was aufgeweckt. Er soll aber bloß keine Lokalpolitik machen."

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Korschenbroich: Korschenbroichs verlorener Sohn


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.