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Korschenbroich
Kranzniederlegung und ein besonderes Marienbild

Korschenbroich. Nach dem Gottesdienst gingen nicht alle nach Hause: Rund 50 Menschen zogen gestern zum Ehrenmal auf dem alten Friedhof. Dort hielt der Korschenbroicher Bundestagsabgeordnete Ansgar Heveling die Festansprache. Der Christdemokrat mahnte, ein Leben in Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit nicht als selbstverständliches Geschenk zu betrachten. Diese Werte müssten immer wieder behauptet werden. Von Rudolf Barnholt

Es war eine kleine würdige Veranstaltung. Friedel Schwatze, Minister des Liedberger Schützenkönigs Severin Baumeister, trug eine Fahne der Bruderschaft. Eine weitere Fahne der Schützen, eine der Feuerwehr und eine vom Männerchor Cäcilia sorgten für einen festlichen Rahmen. Auf dem Weg zum Friedhof bei untypischem 15 Grad warmem Wetter erinnerte sich Ratsherr Reinhard Brieske (64) an Zeiten, in denen er als Messdiener am Volkstrauertag im Einsatz war - er dachte zurück an klirrend kalte Novembertage.

Vor dem Ehrenmal brannten Fackeln, Dominik Drießen und Domenik Brunenberg trugen den Kranz, den Ansgar Heveling wenig später zu Ehren der Verstorbenen der beiden Weltkriege niederlegen sollte. Dazu spielte das Ensemble der Musikkapelle Kleinenbroich mit seinen Blechblasinstrumenten "Ich hatte einen Kameraden".

Zuvor hatte Pfarrer Hermann-Josef Schagen dazu aufgerufen, gemeinsam das Vaterunser zu beten. Franz-Josef Holter und sein Männergesangverein Cäcilia Liedberg rundeten die Kranzniederlegung mit ihren Liedern ab. Ansgar Heveling ging zunächst auf die Terrorattacken in Paris ein. Sein Credo: "Freiheit lässt sich nicht mit Kalaschnikows niedermähen oder mit Selbstmordattentaten in die Luft sprengen."

Im Mittelpunkt der dann folgenden Rede des Bundestagsabgeordneten stand ein Marienbild, eine Kohlezeichnung, die der Pastor und Lazarettarzt Kurt Reuber im Kessel von Stalingrad mit Kohle gezeichnet hatte. Das Bild, das heute in der evangelischen Kirche in Berlin neben der im Krieg zerstörten Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche zu sehen ist, berührte damals die Soldaten. Heveling kann das verstehen: "Es gibt kaum eine eindringlichere Mahnung für den Frieden als diese auf den ersten Blick unscheinbare Kohlezeichnung." Gedenktage könnten Geschehenes nicht rückgängig machen, wohl aber unser Verständnis von Vergangenheit und damit unseren Blick auf die Gegenwart beeinflussen.

Quelle: NGZ
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