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Korschenbroich
Kultur-Scheune wird zum Wohnhaus

Korschenbroich: Kultur-Scheune wird zum Wohnhaus
Der Hoeren-Hof wird umgebaut: Von dem ehemaligen Wohnhaus ist nur noch ein Fachwerk-Gerippe übrig geblieben. FOTO: I. Raupold
Korschenbroich. Der Hoeren-Hof war das Zuhause von Bürgermeister und Landrat Matthias Hoeren. Bekannt wurde der Hof auch als Veranstaltungsort mit seinen Kunstausstellungen, Mundart- und Jazz-Abenden. Aktuell wird das Gebäude umgebaut. Von Marion Lisken-Pruss

Zwei große Müllcontainer stehen vor dem historischen Vierkanthof in Raderbroich, und lautes Hämmern dringt nach draußen. Was sich drinnen in der Hofanlage tut, wird erst offenbar, wenn man durch das grüne Tor tritt: Von dem ehemaligen Wohnhaus ist nur noch ein Fachwerk-Gerippe übrig geblieben. Kaum vorstellbar, dass die Besucher noch vor einem Jahr in den Hoeren-Hof strömten, der in der Kulturszene bis weit über die Ortsgrenzen von Korschenbroich hinaus bekannt war: Für seine Mundartabende und Lesungen, für Kunstausstellungen, die Reibekuchenessen und die legendären Jazz- und Soul-Abende.

Planen die Umbauarbeiten des Vierkanthofes: Besitzer Peter Hoeren (l.) und Architekt Heinz Gribs. FOTO: Isabella Raupold

Als mit Leni Hoeren die letzte Bewohnerin im Mai 2016 starb, hat Sohn und Erbe Peter Hoeren (67) die Zukunft des Hofes neu überdacht und sich entschlossen, das Wohnhaus in zwei Wohnungen umzubauen. Den Vierkanthof zu verkaufen, oder ihn in eine Anlage mit mehreren Eigentumswohnungen umzuwandeln, kam für ihn nicht infrage. Dabei wäre das sogar wirtschaftlicher gewesen, wie er zugibt. Doch für ihn stand fest: "Ich möchte den Vierkanthof mit seinem bäuerlichen Charakter bewahren. Schließlich bin ich hier geboren."

Wobei er nicht nur unbeschwerte Erinnerungen mit seiner Kindheit auf dem Hof verbindet. Als Jugendlicher musste er den Bauernhof mit seiner Mutter oft alleine bewirtschaften, da sein Vater Matthias Hoeren (1916 bis 997) in der Politik aktiv über Jahre hinweg war: als Bürgermeister von Korschenbroich und ehrenamtlich als Landrat.

Der Hoeren-Hof stammt ursprünglich aus dem Jahre 1752. Die Scheunen wurden 1881 erbaut, worauf die Inschrift in einem Eichenbalken hinweist. Seit mehr als 100 Jahren ist der Hof im Besitz der Familie, die ihn bis 1981 landwirtschaftlich nutzte.

"Wenn alles nach Plan läuft, sind die Umbauten Ostern 2018 abgeschlossen", sagt Architekt Heinz Gribs (76), der mit Peter Hoeren seit 40 Jahren befreundet ist. Wichtig ist beiden, die historische Bausubstanz weitgehend zu erhalten. Dass das nicht immer klappen kann, haben sie gerade noch erfahren: Als sich tragende Eichenbalken als morsch erwiesen, und die komplette Fachwerk-Konstruktion des Wohnhauses um mehrere Millimeter angehoben werden musste, um sie auszutauschen.

Auch bei Peter Hoeren lief zuletzt nicht alles rund: "Anfang Mai habe ich einen Herzinfarkt erlitten. Neun Wochen konnte ich danach nicht auf die Baustelle", sagt er. Der Herzinfarkt ist auch der Grund, warum die trotz des Umbaus für 2017 geplanten Veranstaltungen wie "Trad Jazz Masters" und "David's Reibekuchen" ersatzlos ausfallen müssen. Der Mundartabend wurde auf den Hof seines Cousins Hans-Willi Türks verlegt. "Die Ärzte haben mir geraten, kürzer zu treten." Das hat auch Konsequenzen für die Zukunft: "Ich plane keine weiteren Veranstaltungen mehr auf dem Hoeren-Hof." Dass ihm das schwerfällt, sieht man Peter Hoeren an. Aber so ganz ausschließen möchte er es dann doch nicht: "Vielleicht gibt es ja spontan noch einmal einen Jazz-Abend", blickt er in die Zukunft.

Quelle: NGZ
 
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