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Korschenbroich
Liebesbriefe im Widerstand gegen die NS-Diktatur

Korschenbroich. . Die Beziehung zwischen dem Theologen Dietrich Bonhoeffer und der 18 Jahre jüngeren Maria von Wedemeyer war im Wesentlichen eine Briefgeschichte. Der Briefwechsel begann, nachdem Maria von seiner Verhaftung erfahren hatte und endete mit Bonhoeffers Hinrichtung durch die Nationalsozialisten. In einer szenischen Lesung präsentierte das Künstlerduo "Sago" bei "Korschenbroich liest" auf berührende Weise die Begegnung der Verlobten. Viele waren gekommen, um in der Alten Schule die Spuren der innigen Liebe an Auszügen aus der Sammlung "Brautbriefe Zelle 92" zu erleben. Am Ende der Lesung sollte erst ergriffenes Schweigen herrschen, dann aber dankten die Besucher tief berührt mit langanhaltendem Beifall.

Die Schauspieler und Musiker Isabel Sandig und Ralf Gottesleben aus Essen gestalteten die Lesung in einer behutsamen Verbindung von Wort, Musik und Darstellung mit viel Raum für unaussprechbare Zwischentöne. Es folgte Stille, ehe beide leise die Lebensdaten ihrer Protagonisten nannten - und dann erklang das mit dem Namen des Widerstandskämpfers verbunden Lied: "Von guten Mächten wunderbar geborgen." Die ausgewählten Briefe spiegelten das Gottvertrauen, das in diesen Zeilen liegt, wie auch die Liebe zwischen zwei Menschen und deren Hoffnung auf ein gemeinsames Leben. In Stimme und Mimik stellte Gottesleben den Theologen als einfühlsamen Menschen dar, der trotz persönlicher Bedrohung Worte für die Liebe und Hoffnung findet.

Sparsam und dabei berührend ausdruckstark ließ er an Bonhoeffers Erkrankung teilhaben. Eindringlich gestaltete er Bonhoeffers Reflexion über sein in der Haft angeblich ruhiges Auftreten und die dabei in Wahrheit empfundene Leere und Müdigkeit. Sandig war ihm eine ausdruckstarke und einfühlsame Partnerin, die das Wesen und Reifen einer jungen Frau darstellte. Am Ende verließen sie wortlos den Saal, und die Zuschauer blieben mit ihren Gedanken zurück.

(anw)
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