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Korschenbroich
Mit 80 Jahren noch fit für Karate-Kämpfe

Korschenbroich: Mit 80 Jahren noch fit für Karate-Kämpfe
Wolfgang Schubert reizen die Techniken beim Karate. Die Kunst liegt für ihn darin, einem Angriff seines Gegenübers zuvorzukommen. Der 80-Jährige sagt: "Karate fordert mich körperlich und geistig. Das hält mich fit." FOTO: kandzorra
Korschenbroich. Wolfgang Schubert ist das älteste Mitglied im Korschenbroicher Verein "Sandokan". Während viele Menschen in seinem Alter auf einen Gehstock angewiesen sind, trainiert er den Karate-Nachwuchs. Und: Er ist Träger des schwarzen Gürtels. Von Christian Kandzorra

Mit einem Klischee räumt Wolfgang Schubert sofort auf: Karate heißt nicht gleich angreifen, kämpfen und den anderen körperlich besiegen. "Reinkloppen kann jeder", sagt er etwas flapsig. "Karate - das ist die Kunst, dem Angriff zuvorzukommen." Seit 22 Jahren lernt Wolfgang Schubert, sein Gegenüber zu durchschauen, mit Blicken und zügigen Bewegungen einzuschüchtern, seit 22 Jahren also ist er körperlich und geistig beim Karate gefordert. Inzwischen ist er 80 Jahre alt und der älteste Karatesportler und Trainer im Verein "Sandokan Dojo" mit Didi Haas senior als Vorsitzendem. Die Bewegung halte ihn fit, erzählt Rentner Schubert, der im Gegensatz zu vielen anderen Menschen in seinem Alter getrost auf Rollator, Gehstock und Co. verzichten kann.

Selbstverständlich ist Schubert Träger des schwarzen Gürtels. Und zwar der sechsten Stufe, im Fachjargon würde man diesen Status als "sechsten Dan" bezeichnen. Die Prüfung hat er erst dieses Jahr hinter sich gebracht, nachdem er 2013 bereits mit dem fünften Dan zum "Großmeister" geworden war. Insgesamt acht Stunden pro Woche trainiert Wolfgang Schubert sich selbst und die, die Karate lernen wollen. "Das will ich auf jeden Fall solange machen, wie es noch geht", betont der ehemalige Schiffsbauer, der in Meerbusch zuhause ist. Worauf es beim Karate ankommt? "Auf Höflichkeit und Respekt", sagt Wolfgang Schubert, ohne zu zögern. Das gelte für Schüler ebenso wie für die Trainer der Kampfkunst, die ihren Ursprung in Japan hat. "Außerdem ist der Gruß wichtig." Was viele nicht wissen: Beim Karate ist es üblich, nicht nur andere Teilnehmer mit zusammengefalteten Händen und einer leichten, kurzen Verbeugung zu grüßen, sondern auch den Raum, in dem der Sport betrieben wird. "Ohne den Raum geht es schließlich nicht", erklärt der Korschenbroicher Karate-Lehrer Didi Haas den Hintergrund dieser Tradition auf einfache Weise. Didi Haas senior (achter Dan) hatte 1994 die Idee, ältere Menschen in den Verein einzubinden. Und Wolfgang Schubert hat seine Annonce in der Zeitung gelesen. "Seitdem bin ich dabei", sagt Schubert, der die familiäre Atmosphäre unter den Sportlern schätzt. "Mich reizt außerdem die Bewegung", erzählt er. Etliche tausend Techniken gebe es beim Karate. Dazu Didi Haas: "Es gibt fünf Grundtechniken der Abwehr." Diese sind von Kopf bis Fuß nach Körperregionen aufgeteilt, wichtig ist vor allem die Abwehr mit Armen und Beinen.

Doch es geht nicht ums Kämpfen, sondern darum, dem Angriff des Gegenübers zuvorzukommen. Man kann einschüchtern - mit Blicken, mit schnellen Bewegungen, manchmal auch mit einem lauten "Huu!". Didi Haas erklärt, dass das der Kraftverstärkung dienen kann: "Es geht dabei auch um Energieausschüttung und darum, psychisch Selbstbewusstsein zu erlangen."

Genau solche Dinge vermittelt auch Wolfgang Schubert, der in den Kursen von Didi Haas' Karate-Schule in Düsseldorf-Flehe, -Derendorf, -Hamm und in Meerbusch-Büderich als Trainer aktiv ist. "Die jüngsten Schüler sind vier, die ältesten 60 Jahre alt", sagt er. Aber: Beim Karate lernt man nie aus. Auch nicht, wenn man 80 Jahre alt ist.

Deshalb wird Wolfgang Schubert auch noch von "Shihan" Didi Haas zweimal pro Woche am Hauptsitz seiner Schule in Korschenbroich unterrichtet - im Durchschauen und in den vielen Bewegungstechniken, die zur Kampfkunst zählen. Der 80-Jährige rät Menschen in seinem Alter, mal beim Karate vorbeizuschauen. "Anfangen kann man in jedem Alter."

Quelle: NGZ
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