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Korschenbroich
Mit Gedichten auf Heimatsuche

Korschenbroich. Rezitatorin und Autorin Anna Magdalena Bössen im Sandbauernhof zu Gast. Von Daniela Gefgen

Ein Fahrrad, ein gelber Koffer, eine Gedichtsrezitatorin und viele unbeantwortete Fragen zum Thema Heimat. Das hört sich nach einer interessanten und ungewöhnlichen Mischung an. Das fand auch das Museumsnetzwerk Niederrhein und präsentierte am Freitag eine Lesung im Sandbauernhof mit der deutschen Rezitatorin und Autorin Anna Magdalena Bössen, die sich mit ihrem Fahrrad und einem kleinen, gelben Koffer voller deutscher Poesie auf eine 8160 Kilometer langen Reise durch Deutschland gemacht hatte. Der Begriff "Lesung", bei dem man vielleicht eher an passives Zuhören denkt, wird dem Abend mit der temperamentvollen jungen Frau bei Weitem nicht gerecht. Um ihrer Zuhörerschaft nahe zu bringen, was sie während ihres vier Jahre andauernden Studiums zur Gedichtsrezitatorin so alles lernen musste, gibt es schon am Anfang der Veranstaltung ein gemeinsames Sprechtraining: "Sagen Sie mal Wachsmaske, Messwechsel, Wachsmaske, Messwechsel, aber jetzt ganz schnell hintereinander", fordert Bössen die Anwesenden auf.

Im Laufe des Abends versucht die Autorin zu erklären, warum sie sich in 2014 und 2015 für jeweils ein halbes Jahr auf diese lange und manchmal auch beschwerliche Reise gemacht hat. "Ich wollte das Land und meine Landsleute kennenlernen. Und ich wollte herausfinden, was die Definition von Heimat ist."

Ihre Reise führte sie von Sylt bis nach Heidelberg, von Düsseldorf bis nach Weimar. Um die Reise zu finanzieren, hatte sie eine ungewöhnliche Idee. "Ich trete bei Euch auf dem Dorfplatz, der Kirche oder in Euren Wohnzimmern auf. Dafür bekomme ich von Euch etwas zu essen und einen Schlafplatz", bot sie an. Auf diese Weise konnte sie einen sehr persönlichen Kontakt zu den Menschen aufbauen. Manchmal gab es bereits vor ihren Auftritten leidenschaftliche Diskussionen über Deutschland und Heimat, weil doch jeder eine persönliche Einstellung zu diesen Themen hat.

Am Ende ihrer Tour hat sie die Antwort auf ihre Frage gefunden: "Heimat ist, wenn jemand meinen Namen kennt. Wenn er weiß, wie es mir geht und wenn ich mal zum Grillen eingeladen werde." Die Lesung "Deutschland. Ein Wandermärchen" ist Teil des Jahresmottos "Unterwegs", veranstaltet vom Kulturgeschichtlichen Museumsnetzwerk Niederrhein. In Korschenbroich wird es im Herbst zwei weitere Lesungen zu dem Thema geben. Info: 02161 975585 und www.niederrhein-museen.de.

Quelle: NGZ
 
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