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Korschenbroich
Mit Leib und Seele Milchbauer

Korschenbroich: Mit Leib und Seele Milchbauer
Rita, Max und Klaus Humpesch (v.l.) in ihrem Kuhstall: Um 170 Tiere kümmert sich die Familie täglich. Darunter sind 75 Milchkühe sowie Rinder und Kälbchen. Dackeldame Vroni (links) begleitet die Familie bei ihrer Arbeit. FOTO: Lothar Berns
Korschenbroich. In der fünften Generation bewirtschaftet Klaus Humpesch den Bauernhof seiner Familie. Das Wohl der 75 Milchkühe steht für ihn an erster Stelle. Er selbst sagt über sich, dass er Hebamme, Tierarzt und Landwirt in einer Person sei. Von Marion Lisken-Pruss

Von langen schwarzen Wimpern umrahmt sind die dunkelbraunen Kulleraugen, mit denen das Kälbchen neugierig seine Umgebung erforscht. Doch mit der Idylle ist es bald vorbei - als zukünftiger Bulle muss es den Hof von Klaus und Rita Humpesch verlassen. Während die Bullenkälber an einen Mastbetrieb gehen, verbleibt die weibliche Nachzucht auf dem Hof. Denn Klaus Humpesch ist Milchbauer. In der fünften Generation bewirtschaftet er den Bauernhof, den er 1990 von seinem Vater übernommen hat.

Mit 30 Kühen hat er angefangen, noch einmal so viele kamen ein Jahr später hinzu, als er einen neuen Kuhstall am Ortsrand von Steinforth-Rubbelrath baute. Heute stehen rund 170 Tiere in dem Stall, darunter 75 Milchkühe sowie Rinder und Kälbchen. Paula und Clara heißen zwei von ihnen - die jüngste Tochter der Familie, Marie (15), hat ihnen die Namen gegeben.

Vor 15 Jahren ist die Familie mit ihren drei Kindern Max (22), Anna-Lena (20) und Marie in das neu erbaute Haus neben dem Kuhstall gezogen. "Die Wege sind kürzer", sagt Rita Humpesch. Das ist insbesondere dann praktisch, wenn die Kühe kalben, zumal das meistens nachts geschieht. Den Tieren steht Klaus Humpesch dann bei - als Hebamme, Tierarzt und Landwirt in einer Person, wie er sagt. Die Tiere bestimmten den Tagesablauf der Familie, und das, obwohl Klaus Humpesch schon lange nicht mehr selber melkt. Das hat der Melkroboter übernommen, mit dem er seinen Betrieb vor rund acht Jahren modernisiert hat. Der Melkroboter hat die Form einer überdimensionalen Box, in die die Tiere von alleine hineingehen. Ein Sender übermittelt dem ihm, welche Kuh ihn gerade aufsucht, und der Roboter, der von jeder Kuh die Maße ihres Euters gespeichert hat, findet automatisch die Zitzen. Ein Computer registriert, ob wirklich alle Kühe zum Melken gekommen und ob ihre Euter gesund sind. Noch bevor die Familie frühstückt, hat Klaus Humpesch im Computer und im Stall nachgeschaut, wie es seinen Kühen geht, er hat die Kälber gefüttert und die Boxen gereinigt. "Erst sind die Tiere dran. Nur wenn es ihnen gut geht, läuft unser Betrieb", sagt Rita Humpesch. Ganz allein auf die Milchkühe verlassen möchten die Landwirte sich nicht und haben deshalb den Ackerbau als zweites Standbein: Auf rund 100 Hektar bauen sie Zuckerrüben und Getreide an sowie Mais als Futter für die Tiere. Auch den elterlichen Hof von Rita Humpesch bewirtschaften sie mit. "Wir sind mit Leib und Seele Landwirte", betont sie.

Doch ihr Leben sei schwieriger geworden. Ihnen mache neben Auflagen und Verordnungen insbesondere der Milchpreis zu schaffen. Der liegt aktuell bei 26 Cent. "Zu solchen Preisen kann man nicht produzieren", ärgert sich Humpesch und prognostiziert, dass irgendwann keine Kuh mehr in Deutschland auf der Weide steht. Trotzdem studiert Sohn Max Agrarwissenschaften.

Quelle: NGZ
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