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Korschenbroich
Mittelalter-Tradition lebt in Kleinenbroich

Korschenbroich: Mittelalter-Tradition lebt in Kleinenbroich
Die Maiandachten haben Tradition in der Maria-Hilfe-Kapelle in Kleinenbroich. In dem nur 25 Quadratmeter kleinen Gotteshaus beten die Gläubigen regelmäßig zur Muttergottes. FOTO: Anja Tinter
Korschenbroich. 20 Minuten Zeit zur Besinnung, zum Innehalten und für ein Gebet: Die Maiandachten in der Maria-Hilf-Kapelle in Kleinenbroich sind gut besucht. Einige Gläubige kommen seit mehr als 30 Jahren, manche waren schon als Kind dort. Von Marion Lisken-Pruss

Im Volksmund gilt der Mai als Wonnemonat. Für viele Katholiken ist er aber auch der Marienmonat, in dem sie die Mutter Gottes in Andachten besonders verehren. So auch in der Maria-Hilf-Kapelle in Kleinenbroich, die Andachten dort werden von der Kapellengemeinschaft organisiert.

Schon 15 Minuten vor Beginn ist die rund 25 Quadratmeter große Kapelle voll besetzt. Rund 20 Gläubige sind gekommen. Die jüngsten sind Mitte 50, die ältesten über 90 Jahre alt. Fast alle kommen aus der Nachbarschaft, und viele von ihnen sind der Kapelle seit ihrer Kindheit verbunden. Kerzen brennen vor dem Altar, und die Besucher unterhalten sich mit gedämpfter Stimme. Nur zwei Männer sind darunter. Gerhard

Bienefeld (54) ist einer von ihnen. Anfänglich habe er seine Mutter zu den Maiandachten begleitet, erzählt er. Mittlerweile besucht er die Maiandacht auch, wenn seine Mutter nicht mitkommen kann. "Es tut mir gut, eine halbe Stunde zur Ruhe zu kommen und mich zu besinnen", sagt er.

Halb acht ist es inzwischen. Andrea Tillmanns verteilt die Texthefte und schließt die Kapellentür. Sie wohnt im Haus gegenüber und kümmert sich mit ihrer Familie und weiteren Nachbarn seit 30 Jahren um das kleine Gotteshaus. Elli Frehn (55) ist die Vorbeterin. Sie beginnt und beendet die Andacht mit einem Lied, dazwischen beten die Gläubigen zur Mutter Gottes. Der Autolärm dringt nur gedämpft in die kleine Kapelle und vermag die Stimmen nicht zu übertönen.

Erste Maiandachten zu Ehren der Gottesmutter lassen sich schon für das Mittelalter feststellen. Ab dem 17. Jahrhundert wurden Gebete zu Maria im Mai üblich, bis aus ihnen im 19. Jahrhundert ein fester Brauch entstand. Die Gründe, warum die Gläubigen zur Muttergottes beten, sind vielfältig: Aus Tradition und Dankbarkeit, aber auch bei Krankheit und Sorgen. Für sie sei das Beten in der Gemeinschaft schöner und einfacher, sagt Anne Künkel (63). Als Kind habe sie hier in der Kapelle die Kerzenständer mit Zahnbürsten säubern müssen, erinnert sie sich. Eine Reihe vor ihr sitzt Inge Nilges (83). Auch sie kennt die Kapelle seit ihrer Schulzeit.

Die Maiandachten finden seit 1981 regelmäßig statt, nachdem ein Sturm das Turmkreuz zu Boden geweht hatte und die Kapelle daraufhin renoviert wurde. Der Grundstein zur Kapelle wurde schon im Jahr 1890 gelegt.

Nach 20 Minuten ist die Andacht zu Ende. Eine ältere Frau kniet noch vor dem Altar und betet, manche Gläubige eilen sofort nach Hause, andere unterhalten sich vor der Kapelle. Dazu gehört auch Annemarie Leinders (77). Sie war 65 Jahre lang Vorbeterin, "wenn auch mit Unterbrechungen", wie sie sagt. Im vergangenen Jahr hat sie das Ehrenamt aus persönlichen Gründen aufgeben müssen. Traurig sei sie deshalb schon, gibt sie zu, sie wird aber weiterhin zu den Maiandachten kommen. Die nächste Andacht findet am Freitag um 19.30 Uhr statt.

Quelle: NGZ
 
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