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Türks-Hof in Korschenbroich
Nach 200 Jahren ist Schluss

Türks-Hof in Korschenbroich: Nach 200 Jahren ist Schluss
FOTO: Christian Lingen
Korschenbroich. Ende des Monats gibt Hans-Willi Türks seinen Bauernhof auf. Den Betrieb fortzuführen, wird immer schwerer. Außerdem möchte Türks seine Rente genießen. Der stellvertretende Bürgermeister wird die Bausubstanz erhalten. Von Christian Lingen

Als Hans-Willi Türks noch Kind war, da arbeiteten die Bauern noch mit Pferden auf den Feldern. Einen Traktor konnte man sich nicht leisten. "Wir hatten zwei Pferde. Ich werde die beiden nie vergessen. Sie hießen Lisa und Rosa", erinnert sich Hans-Willi Türks. Korschenbroichs stellvertretender Bürgermeister ist Landwirt aus Leidenschaft. Seinen Betrieb hat er in Pesch. Noch. Denn Ende des Monats wird er ihn aufgeben. Das haben zwei seiner Nachbarn, die auch einen großen Hof hatten, im vergangenen Jahr auch getan. Der Aufwand wird immer größer, es gibt immer mehr Vorschriften und so richtig wirtschaftlich ist es auch nicht mehr. Als Bauer hat man es heutzutage schwer.

Seit vier Generationen - rund 200 Jahre - war der Bauernhof im Besitz der Familie. Entstanden ist er bereits 1614. Das verrät die Inschrift eines Balkens im historischen Fachwerkhaus. Hans-Willi Türks hat drei Kinder. Keines von ihnen möchte die Nachfolge antreten. "Ich habe Verständnis dafür. Sie haben andere Berufe ergriffen. Zwingen kann ich sie nicht", sagt Türks.

Hans-Willi Türks gibt Ende des Monats seinen Hof auf, der aber erhalten bleibt und unter anderem die Heimat von Ginger, dem Pferd seiner Tochter ist. FOTO: Knappe (1), Lingen (2)

Wenn er davon erzählt, dass er in diesen Tagen zum letzten Mal in seinem Leben die Rübenernte einfährt, dann atmet er zwischendurch schwer durch. "Es fällt mir nicht leicht. Das Leben danach kann ich mir im Moment noch gar nicht richtig vorstellen", erzählt er und nickt leicht. Neben Rüben hat er Getreide angebaut. "Normalerweise wäre ich jetzt mit der Aussaat für das kommende Jahr beschäftigt. Weil ich aber aufhöre, bin ich das nicht. Das fühlt sich schon merkwürdig an", gesteht er. Früher gab es auf dem Türkshof auch Tiere.

"Ich hatte Milchkühe und Mastrinder. Als ich vor 18 Jahren mein Amt übernahm, war dafür keine Zeit mehr. Also habe ich sie abgeschafft", erzählt er. Und auch jetzt hat er wieder einen sinnvollen Einschnitt gewählt. "Ich bin 66 Jahre alt und könnte Rente beziehen. Als aktiver Landwirt darf ich das aber nicht", erklärt er. Weil der Beruf des Landwirts auch körperlich anstrengend ist, spielt das Alter natürlich auch eine Rolle. "Es hat sich vieles vereinfacht zu früher. Wir bekamen den ersten Schlepper, als ich sieben Jahre alt war", erzählt Türks.

Wenn er Ende Oktober aufhört, dann hat er den Betrieb 40 Jahre lang geführt. Mitgearbeitet hat er seit 50 Jahren. "Ich habe den Betrieb von meinem Vater übernommen. Als er damals aufhörte, machte er es mir leicht und stand mit Rat zur Seite. Solange es ging, hat er außerdem mit geholfen", erinnert sich Hans-Willi Türks. Auch seine Kinder haben in jungen Jahren bei der Ernte angepackt. Ein Bauernhof ist nämlich auch so eine Art riesiger Spielplatz. Daran hat sich bis heute nichts geändert. "Ich habe fünf Enkelkinder. Mit ihnen mache ich gerne Touren im Traktor", erzählt Türks. Nicht nur deshalb wird er die Landmaschine behalten. Auch der Hof bleibt bestehen. Er wird nur nicht mehr bewirtschaftet. Dafür aber anders genutzt. Zum Beispiel, um Dinge unterzustellen.

FOTO: Christian Lingen

Seine Ländereien hat Hans-Willi Türks verpachtet. "Land kann man nicht vermehren, deshalb ist es stark gefragt", sagt er. Aus dem Bau- und Planungsausschuss weiß er, dass immer mehr freie Flächen verloren gehen. Das hat er für seine Felder verhindert. Die Pächter werden die Felder weiter nutzen. "Ich möchte alles erhalten so wie es jetzt ist", sagt Türks. Beinahe ein bisschen nostalgisch mutet da die Pferdebox an, die Ginger, das Pferd der Tochter, sein Eigen nennt.

"Jede Zeit hat ihre Reize", sagt er. Und so wird es auch die Zukunft haben. Sie wird anders. Aber das heißt nicht, dass sie weniger schön sein wird.

Quelle: NGZ
 
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