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Korschenbroich
Nach London der Liebe wegen

Korschenbroich: Nach London der Liebe wegen
Links das London Eye, rechts der Westminster Palace mit Big Ben: Kerstin Thomas fühlt sich in London wohl. Sie schätzt das Multikulturelle an der Stadt. FOTO: kt
Korschenbroich. Vor zwei Jahren ist Kerstin Thomas der Liebe wegen nach Großbritannien ausgewandert. Sie unterrichtet dort an einer Mädchenschule. Von Christian Kandzorra

Wenn Kerstin Thomas ihren Besuch aus Deutschland durch London führt, dann zeigt sie "ihr" London - eine Metropole, die aus ihrer Sicht vielmehr zu bieten hat als es viele ahnen, die die britische Hauptstadt zum ersten Mal besuchen. "London ist eine sehr grüne Stadt. Es lohnt sich auch, die Viertel außerhalb des Zentrums zu besuchen. Hier gibt es immer wieder Neues zu entdecken, kleine Märkte und Parks zum Beispiel", sagt die 30-Jährige, die vor zwei Jahren ihre Heimat Pesch gegen Brixton getauscht hat - einem der südlicheren Stadtteile von London, etwa 15 Minuten von Westminster, Buckingham Palace und Co. entfernt.

Was sie damals nach Großbritannien verschlagen hat? "Die Liebe", antwortet Kerstin Thomas prompt. Matthew Middleton-Jones heißt ihr Partner, den sie durch einen unglaublichen Zufall nicht etwa auf Sightseeing-Tour in London, sondern im kleinen Korschenbroich kennengelernt hat. "Mein Freund singt in einem Chor, der damals in Korschenbroich zu Gast war. Dessen Mitglieder wurden in Gastfamilien untergebracht - und wir waren eine dieser Familien. Dadurch habe ich Matthew kennengelernt", erzählt Thomas, die sich in London sehr wohlfühlt. Nach einer Zwischenstation in einer Wohngemeinschaft hat sich das Pärchen, das eine besondere Leidenschaft für Musik teilt, im District Brixton eine Wohnung gemietet.

Beide sind berufstätig, Kerstin Thomas arbeitet als Lehrerin für katholische Religion an einer Mädchenschule, die als eine der besten des Landes gilt. Damit hat sie sich einen Traum erfüllt, wenn das Unterrichten in Englisch für sie zunächst auch eine Umstellung gewesen sein dürfte. Denn: Kerstin Thomas hat nicht etwa Englisch studiert, sondern Theologie und Musik in Köln, wo sie nach ihrem Abitur am Gymnasium Korschenbroich hingezogen war. "Es ist hier in Großbritannien unüblich, dass Lehrer mehr als ein Fach unterrichten, deshalb beschränke ich mich auf den Religionsunterricht", sagt Thomas, die allerdings demnächst einen Schulchor leiten wird und sich sehr auf die Arbeit mir ihren Schülerinnen freut. Ein markanter Unterschied: Die Schülerinnen tragen in London Schuluniformen. "Aus meiner Sicht ist das gut, etwas entspannter", sagt Thomas.

Und überhaupt unterscheidet sich das Leben in London deutlich von dem in Deutschland beziehungsweise Korschenbroich. "London ist eine sehr multikulturelle Stadt. Die Menschen hier sind offen und tolerant. Dafür ist London auch sehr teuer. Der Brexit macht das Leben nicht gerade preiswerter", berichtet die 30-Jährige. Weitere Unterschiede gebe es im Gesundheitssystem. "Wer hier einen Rat vom Hausarzt braucht, erhält oft erst einmal eine telefonische Beratung, weil es häufig lange dauert, bis man einen Termin erhält."

Wenn die Korschenbroicherin London inzwischen auch als ihr neues Zuhause bezeichnet: Ganz den Rücken gekehrt hat sie ihrer alten Heimat nicht. "Ich komme zwischendurch immer mal wieder nach Korschenbroich, vor allem in den Ferien. Mir ist es wichtig, den Kontakt mit meinen Freunden und meiner Familie dort zu halten", sagt die Auswanderin, deren Eltern in Pesch leben. Ein Vorteil: Die langen Sommerferien decken sich in etwa mit denen in NRW, weshalb sie im Sommer ihrer Heimat einen längeren Besuch abstatten kann. Interessant: Das Wetter, das sie in London hat, komme spätestens zwei Tage später am Niederrhein an. "Dass das Wetter in London immer schlecht ist, stimmt nicht. Ich habe hier sogar schon mal einen Sonnenbrand bekommen", scherzt sie.

Quelle: NGZ
 
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