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Korschenbroich
Neuer Platz für sieben Steinkreuze

Korschenbroich. Aufgearbeitet finden sie am Chor von St. Andreas ihren Bestimmungsort.

Erhöht und von einer Mauer umgeben lag einst der alte Kirchhof um die Pfarrkirche St. Andreas. 1823 fand dort zum letzten Mal eine Beerdigung statt, im gleichen Jahr wurde der Friedhof an der Pescher Straße eingeweiht, dem später der Waldfriedhof folgte.

13 Grabkreuze vor der Außenmauer des Chorraums bezeugen die einstige Existenz des Kirchhofs im Ortszentrum. Nach einer wechselvollen Geschichte kehrten 1987 mit der Neugestaltung des Kirchplatzes sechs Kreuze in die unmittelbare Nähe der Kirche zurück. Nun wurden in deren Nachbarschaft sieben weitere Kreuze aufgestellt, die vorübergehend einen Platz im alten Pfarrgarten hatten, nun aber wegen der Bauarbeiten für die Caritas weichen mussten. Der Kirchenvorstand hatte die Gelegenheit genutzt, die Grabkreuze von einem Steinmetz aufarbeiten, reinigen und beim Chorraum aufstellen zu lassen.

"Seitdem die Kreuze hier aufgestellt sind, ist mir aufgefallen, dass die Leute sich ansehen, was von den Inschriften noch lesbar ist. Die Kreuze fordern uns heraus: Die Vorstellung, dass Tod und Leben ursprünglich viel enger gedacht und gelebt wurden, wird hier deutlich", berichtet Kirchenvorstandsmitglied Rita Mielke. Das älteste Grabkreuz stammt aus dem Jahr 1672, die anderen sind auf 1700 bis 1769 datiert. Es sind Steinkreuze. Seit 1987 denkmalgeschützt, dokumentieren sie still den Wandel der Grabkultur.

Pfarrer Marc Zimmermann wertet sie auch als Zeugen der Ortsgeschichte und einer sich wandelnden Grabkultur. "Teile der Namen und Symbole, wie sie Ende des 17. und während des 18. Jahrhunderts verwendet wurden, sind lesbar und erkennbar", betont er und verweist auf Darstellungen von Leidenswerkzeug und Totenkopf mit gekreuzten Gebeinen. "Ich finde es anrührend, dass Menschen, die hier um die Kirche gelebt haben, auch hier im Tod einen Platz hatten", so der Geistliche.

Die Kreuze waren mehrfach versetzt worden. Teilweise kamen sie zunächst auf den 1823 angelegten Friedhof an der Pescher Straße. "Teilweise wurden sie für profane Zwecke vermauert", weiß Gottfried Kempen, der sich in den Archiven der Pfarre auskennt. Er ist froh, dass es den sieben nun anders ergeht.

(anw)
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