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Korschenbroich
Orgelvirtuose aus Russland spielt in der St.-Andreas-Kirche

Korschenbroich. Mit Daniel Zaretsky war erneut ein hochkarätiger Organist in der Stadt. Sein Programm "Bach und deutsche Romantik" war ein Gastgeschenk. Von Hansgeorg Marzinkowski

In der bald 40-jährigen Geschichte der Internationalen Orgelwochen waren die meisten weltbekannten Organisten zu Gast in Korschenbroich. Vor einer guten Woche spielte der Niederländer Ben van Oosten, einer der besten Meister seines Faches, in der St. Andreas-Kirche. Nun hat sich erstmals in das "Who's who" internationaler Orgelvirtuosen der Russe Daniel Zaretsky (52) eingereiht.

Er studierte in Sankt Petersburg und ist dort Professor an der Staatlichen Universität und Leiter der Orgelabteilung am Konservatorium der zweitgrößten russischen Stadt. Seine Ausbildung zum Konzertorganisten absolvierte er unter anderen bei Jon Laukvik, Daniel Roth und Jean Guillou - alles Spitzenkönner, die bereits in Korschenbroich waren. Jean Guillou zuletzt im Jahre 2010, im Alter von 80 Jahren.

Daniel Zaretsky hat seit 1989 in allen Ländern mit bemerkenswerter Orgelkultur gespielt, nun also auch in Korschenbroich. Sein Programm "Bach und deutsche Romantik" war dabei als Gastgeschenk gedacht. Er begann mit Johann Sebastian Bachs "Präludium und Fuge C-Dur" (BWV 531), die gleich mit einem attraktiven Pedalsolo hohe Anforderungen stellt. Daniel Zaretsky legte mit ungeheurem Tempo los, so, als wolle er direkt seine technische Perfektion dokumentieren. Bei der vierstimmigen Fuge zog er das Tempo nochmals an, und man wünschte, er möge sich verspielen, um ein wenig ruhiger zu werden. Beides tat er nicht.

Die folgenden Choralbearbeitungen hatten angemessene Tempi, bei der Komposition "Wir glauben all an einen Gott" hatte der ostinate Bass etwas viel Marschrhythmus. Dem lebhaften Temperament des Interpreten kamen auch "Toccata d-Moll und Fuge D-Dur" aus den "Zwölf Stücke op. 59" von Max Reger sehr gelegen. Mit furiosem Schwung spielte er die Toccata, ließ aber die Fuge als ruhig verhaltenen Nachklang wirken.

Kleinere Werke von Franz Liszt, darunter ein "Ave Maria" und die "Consolation Des-Dur" (für Klavier), in der sich eine kleine Melodie zu einem vollkommenen Gebilde mystischer Versenkung wandelt, zeigten, dass sich Daniel Zaretsky bestens mit dem insgesamt 50 Register umfassenden Werk der Andreasorgel vertraut gemacht hatte. Das kam der klanglichen Darstellung der romantischen "Präludium und Fuge über B-A-C-H" von Liszt sehr entgegen.

Nach überschwänglicher Eröffnung bei eleganter Virtuosität wird die Fugen-Fantasie abwechslungsreich aufgelockert, um dann in einen hymnischen Schluss zu münden. Das fand den langen Beifall einer endlich mal wieder großen Besucherschar.

Quelle: NGZ
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