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Korschenbroich
"Padre José" in Sorge um Kinder-Projekt

Korschenbroich: "Padre José" in Sorge um Kinder-Projekt
Pfarrer Josef Neuenhofer hilft weiterhin zahlreichen Menschen in Bolivien, auch wenn das Geld knapper wird. FOTO: Neuenhofer
Korschenbroich. Pfarrer Josef Neuenhofer macht sich Sorgen um sein Straßenkinderprojekt in Bolivien. Weil die Kinder-Direkthilfe nun für ein Projekt in Ghana spendet, fehlt Geld an allen Ecken. Eventuell muss Neuenhofer eines der acht Heime schließen. Von Tim Specks

Josef Neuenhofer blickt gerne auf die Vergangenheit zurück. Seit 23 Jahren engagiert sich der 77 Jahre alte Pfarrer in Bolivien für Straßenkinder - 18 Jahre lang konnten er und sein Projekt "Arco Iris" (dt. "Regenbogen") dabei auf die Unterstützung der Kinder-Direkthilfe Korschenbroich zählen.

Neuenhofers Dank gilt vor allem einem Menschen: Jürgen Hüsgens, früherer Präsident der Kinder-Direkthilfe und bis heute guter Freund des Pfarrers. "Er hat für die Straßenkinder gelebt, Leidenschaft, Zeit und Idealismus für unser Projekt aufgebracht", so Neuenhofer. Ohne die Kinder-Direkthilfe, sagt der gebürtige Eickener, seien viele Projekte und die acht Heime, die er in Bolivien für Straßenkinder errichtet hat, nicht möglich gewesen. Mit "Arco Iris" hilft "Padre José", wie ihn die Straßenkinder nennen, rund 6200 Kindern, indem er sie in Heimen betreut, ihnen eine Berufsausbildung ermöglicht oder ihnen Essen zur Verfügung stellt. 183 Mitarbeiter helfen ihm dabei.

Doch so rosig der Blick auf die Vergangenheit für Josef Neuenhofer ist, so belastend ist der Blick in die Zukunft. Im Mai hat die Kinder-Direkthilfe Korschenbroich das Engagement in Bolivien beendet, um nun ein ähnliches Projekt in Ghana zu unterstützen. Josef Neuenhofer hat Verständnis für diesen Schritt: "Es gibt schließlich so viel Not auf der Welt." Er ist dankbar für alles, was die Kinder-Direkthilfe für ihn und sein Projekt getan hat, doch ist der Rückzug des Vereins auch ein Problem, da nun Spendengelder ausbleiben. "Niemand trägt wirklich eine Schuld, doch ich bin der Leidtragende", sagt er.

Noch härter als das Ende des finanziellen Engagements seitens der Kinder-Direkthilfe treffen das Kinderhilfs-Projekt aber die wirtschaftlichen Verhältnisse, die derzeit in Bolivien herrschen. "Durch den Abfall des Eurokurses fehlt uns in diesem Jahr rund eine Viertelmillion Dollar", sagt Josef Neuenhofer. Erschwerend hinzu kommt die Tatsache, dass es in Bolivien gesetzlich vorgeschrieben ist, Angestellten 15 Jahresgehälter zu zahlen. Eine Mammutaufgabe für das Projekt "Arco Iris", das sich zu großen Teilen aus Spenden finanziert. "Von staatlicher Seite erhalten wir in Bolivien keine finanzielle Unterstützung", sagt Neuenhofer. Und weiter: "Hin und wieder bekommen wir Geld von Menschen, die ich vor 20 Jahren getraut habe und denen es nun so gut geht, dass sie am Ende des Jahres etwas spenden."

Wegen der finanziellen Probleme ist Neuenhofer möglicherweise gezwungen, Ende Dezember eines seiner acht Heime zu schließen. 60 bis 80 Kinder müssten dann wieder auf der Straße leben. Pfarrer Neuenhofer graut es vor der Zukunft: "Wenn wir ein Heim schließen, schicken wir die Kinder ins Elend. Auf der Straße leben sie vom Diebstahl. Das fängt im Kleinen an und endet oft schlimm. Alle 14 Tage besuche ich das Gefängnis - da treffe ich dann die früheren Heimkinder wieder", berichtet er.

Auch die Prostitution sei ein Problem. "Die Mädchen fangen oft im Alter von zehn Jahren damit an. Sie bekommen dann 80 Cent von ihrem Freier. Das reicht gerade einmal für das Essen an einem Tag", sagt Neuenhofer. Um den finanziellen Problemen seines Projekts entgegen zu treten, ist er weiter auf Spenden angewiesen. Das Kindermissionswerk lud ihn kürzlich nach Aachen ein, wo ihm eine Spende überreicht wurde. Das Geld sammelten Sternsinger ein. Nun soll das von Kindern gesammelte Geld in ein Kinderhilfs-Projekt fließen, das steht für Neuenhofer außer Frage: "Wir wollen damit ja keine Kathedralen bauen."

Noch ist die Schließung eines Heims nur ein trauriges Gedankenspiel, doch ganz ausgeschlossen ist der Schritt nicht. Pfarrer Josef Neuenhofer blickt jedenfalls äußerst besorgt in die Zukunft:"Wir haben keine finanzielle Reserve mehr, die wir anzapfen können. Ich habe große Sorgen."

Quelle: NGZ
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