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Korschenbroich
Palmen und Oliven für Korschenbroich

Korschenbroich: Palmen und Oliven für Korschenbroich
Vom Kfz-Mechaniker zum Garten- und Landschaftsbauer: Stefan Tolksdorf hat sich auf Olivenbäume spezialisiert. Er ist in der Region der einzige Fachmann. Zuletzt hat er das Kühlen-Quartier in Gladbach mit alten Olivenbäume bepflanzt. FOTO: jkn
Korschenbroich. Stefan Tolksdorf hat seine Leidenschaft für mediterrane Pflanzen zum Beruf gemacht. Jeden Monat fährt er nach Spanien und kauft vor Ort Olivenbäume, Agaven und Palmen. Zu seinen Kunden gehören Sammler und Unternehmen. Von Marion Lisken-Pruss

Etwa 450 Jahre alt ist der Olivenbaum, zwei Meter hoch und 1150 Kilogramm schwer. Die Palme gleich daneben ist mit ihren 25 Jahren zwar deutlich jünger, mit dem seitlich wachsenden Stamm aber ebenfalls eine Besonderheit. Ebenso wie die Korkeiche, aus deren weicher Rinde Kork gewonnen wird; wie der Erdbeerbaum, aus dessen Früchten die Spanier Schnaps brennen. Was sich liest wie die Sammlung eines botanischen Gartens, beschreibt vielmehr das Sortiment des Blumen-Paradieses an der Herrenshoffer Straße. Wobei der Firmenname nicht verrät, was das Unternehmen eigentlich auszeichnet: Dass Inhaber Stefan Tolksdorf (36) regelmäßig mit einem Transporter quer Europa tourt, um diese ausgefallenen Sammlerexemplare einzukaufen.

"Da kommen bei einer Tour schon mal schnell 5000 Kilometer zusammen", sagt er. Angefangen hat alles vor zehn Jahren, als sein Arbeitgeber Kurzarbeit anmeldete. Der gelernte Kfz-Mechaniker beschloss daraufhin, sich als Garten- und Landschaftsbauer selbstständig zu machen, zumal ihn schon lange eine Leidenschaft für mediterrane Pflanzen gepackt hatte. "Als ich dann die Oliven- und Granatäpfelbäume, die meine Kunden pflanzen wollten, in Deutschland nicht beziehen konnte, bin ich eben selbst gen Süden gefahren", erzählt er. Und ist damit weit und breit der einzige Gartenbauer, der seine Pflanzen vor Ort im Herkunftsland erwirbt. Mit seinem eindrucksvollen Fachwissen hat er schnell die Anerkennung der dortigen Baumschulen gewonnen. Zu seinen Kunden zählen neben Privatpersonen und Sammlern mittlerweile große Firmen. So wie das Kühlen-Quartier in Mönchengladbach, wo er 40 Olivenbäume pflanzte, oder ein Hotel in Wien, bei dem er in der vergangenen Woche einen Olivenbaum vorbeibrachte.

Nicht selten werden die mehrere Tonnen schweren Olivenbäume mit Hilfe eines Baukrans in ihr Pflanzloch gehoben: "Für mich ist das Routine, aber für meine Kunden ein einmaliges Erlebnis", sagt er. Manche der alten Bäume mussten einem Neubau oder einer Straße weichen, wieder andere hatten als Plantagenbäume ausgedient und sind so in die Baumschulen gelangt. Dass die sonnenverwöhnten Exoten im Winter in Korschenbroich erfrieren könnten, fürchtet Stefan Tolksdorf nicht. "Viele mediterrane Pflanzen vertragen Frost bis minus zwölf Grad", sagt er. Drinnen im Gewächshaus platziert er die frostempfindlichen Kübelpflanzen: Dort steht auch eine Aloe arborescens, die einzige in Deutschland zugelassene medizinische Heilpflanze. Oleander hingegen, für viele der Inbegriff eines Sommers im Süden, finden sich nur vereinzelt im Sortiment. Das soll sich ändern: In Frankreich ist er auf der Suche nach Sorten, die duften und frostresistenter sind. Der 450 Jahre alte Olivenbaum wartet indes auf ein neues Zuhause. Wer ihn pflanzt, tätigt eine Investition fürs Leben: Denn der Olivenbaum hat noch einige Jahrhunderte vor sich.

Quelle: NGZ
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