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Korschenbroich
Persönliche Erlebnisse bei Krippentour

Korschenbroich: Persönliche Erlebnisse bei Krippentour
Krippentour durchs Stadtgebiet: Gestern staunten die Teilnehmer nicht schlecht, als sie hörten, was sich alles hinter den Krippen verbirgt. In Herz Jesu wurden Teile der ehemaligen Königsresidenz von Michael Keinath eingearbeitet. FOTO: Raupold
Korschenbroich. In der Herberge war kein Platz für die heilige Familie, und so musste das Kind in eine Krippe gelegt werden. Die Krippentour gestern zeigte, wie jede Darstellung der Weihnachtserzählung ihre ganz eigene Geschichte hat. Von Angela Wilms-Adrians

Begleitend zur Ausstellung "Himmelwärts" im Kulturbahnhof Korschenbroich hatte Nina Nierwetberg die Rundreise zu den Kirchen Herz-Jesu, St. Dionysius, St. Marien und St. Andreas organisiert. Die auf diesem Weg ausgebreiteten Facetten multiplizierten sich um ein Vielfaches um die persönlichen Erfahrungen, die ein jeder Teilnehmer mit- und auch gerne einbrachte.

Für Michael Keinath ist Weihnachten die schönste Zeit des Jahres, und dann kommt für ihn auch schon bald das heimatliche Schützenfest. Wer mit seinen Augen die Krippe von Herz-Jesu Herrenshoff sieht, kann dies unschwer erkennen. Er habe einen Teil seiner ehemaligen Königsresidenz für den Krippenbau verwandt, verriet Keinath, der die Krippe unter der Empore entworfen und gebaut hat. Für dieses Jahr hat er eine neue Feuerstelle hergerichtet, für die er - wie auch für den massiven Stall - Birkenstämme vom Schützenfest verbaut hat. Ab dem 6. Januar wird wieder "der vierte König" an der Herrenshoffer Krippe stehen. Herrenshoff ist für den kleinen Schützenbruder, der von Hermann-Josef Kronen geschnitzt wurde und von Agnes Hoppenkamps in kniffeliger Kleinarbeit eine Uniform bekam, die Heimat. Doch inzwischen geht der kleine König Jahr für Jahr auf Wanderschaft durch die katholischen Korschenbroicher Pfarren.

In St. Dionysius Kleinenbroich hat die heilige Familie Schutz in einem bäuerlichen Stall gefunden. "Der heilige Franz von Assisi hat gesagt: Baut die Krippen nach eurer Heimat", sagt Heinz Schichel dazu. Bis auf den blauen Esel wurden die Figuren in den 1950er Jahren in Oberammergau aus Lindenholz und an den Händen aus Zirbelkiefer geschnitzt. Der blaue Esel ist aus Gips, stammt noch von einer früheren Krippe aus dem alten Kirchlein und ist "richtig schwer", erzählt Schichel, der manche dieser einst als unmodern geschmähten Figuren rettete und restaurierte.

Da die Pescher Kirche noch restauriert wird, steht deren Krippe zurzeit im Pfarrsaal, wo auch die Gottesdienste vorübergehend gefeiert werden. "Hier gibt es keine sehr alte Krippe. Die Kirche hier wurde mit heißem Herzen und wenig Geld von Peschern gebaut. Damals war kein Geld für eine Krippe da", erzählte Gisela Seppelt. In den 70er Jahren kamen die Pescher dann doch noch an eine Krippe, die mit den Jahren wuchs. Momentan müssen sich die Figuren allerdings mit einem kleineren Stall begnügen, in den der heilige Josef nicht hineinpasst. Doch dafür hat St. Marien eine Jahreskrippe in den leuchtenden Kirchenfenstern. Eines zeigt das Christkind mit Ochs und Esel, ein anderes die heiligen drei Könige.

In St. Andreas lauschten die Besucher bei Josef Schiffers wieder einem veritablen Krippenbauer. Für den Stall sammelte er das Holz im Hoppbruch. Monatelang suchte er allein, um den rechten Bogen aus schwerem Eichenholz mit abgefaulter Rinde zu finden. Die großen Figuren wurden noch von Pfarrer Doerges gestiftet. Deren Hände waren im Verhältnis zu den Körpern zu groß, darum kürzte Schiffers die Finger und schnitzte sie passend zu, um ein stimmiges Bild zu erhalten.

Quelle: NGZ
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