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Korschenbroich
Produktion im malerischen Ensemble

Korschenbroich. Der Burghof im historischen Liedberg weckte bei Immobilienmaklern bereits mehrfach Begehrlichkeiten. Doch Bauer Hans-Otto Scherer setzt lieber auf Produktion und Vertrieb von Kern- und Steinobst, Spargel und Kartoffeln. Ein Besuch. Von Angela Wilms-Adrians

Bei tiefschwarzen Kirschen kann wohl keiner widerstehen. Die süßen Früchte gedeihen offensichtlich gut am Liedberg und repräsentieren gerade verlockend einen der vier Schwerpunkte, auf die Hans-Otto Scherer setzt. "Wer einmal um den Berg spazieren geht, kann sehen, was hier wächst", sagt der Landwirt, dem die Nähe zum Verbraucher wichtig ist.

Er hat sich auf Kern- und Steinobst, Spargel und Kartoffeln spezialisiert und vermarktet seine Produkte im eigenen Hofladen. Die Bündelung von Produktion und Vertrieb in einer Hand kommt gut an. "Wir würden es nicht schaffen, andere zu beliefern, und dank der regen Nachfrage, erübrigt sich das auch", erzählt Scherer. Mit Genugtuung registriert er, dass bereits mehrere Immobilienmakler den respektablen Gebäudetrakt an der Schlossstraße gerne in Wohnanlagen umgewandelt hätten, betont aber entschieden: "Das ist nicht unser Ziel."

Hans-Otto Scherer bewirtschaftet in neunter Generation den Hof. Der Name Scherer taucht allerdings erst seit 1840 in den Annalen auf, da zuvor männliche Erben fehlten. "Die Frauen waren lebensfroh und tüchtig", sagt der Landwirt anerkennend über die Vorfahrinnen, die den Fortbestand des Familienbesitzes sicherten.

Der Hof ist seit 25 Jahren im Umbruch und nicht mehr, wie in der Generation zuvor, ein Mischbetrieb. Vier Festangestellte und neun Saisonmitarbeiter, die acht Monate im Jahr mit anpacken, helfen bei der Bewirtschaftung. "Für diese Menschen haben wir auch Verantwortung, und das treibt uns an, den Hof weiterzuentwickeln", betont der Landwirt, erklärtermaßen mit "Leib und Seele Bauer, seitdem ich Landluft in die Lunge bekommen habe".

Als Voraussetzung für die Landwirtschaft von heute nennt er unternehmerisches Denken und Nachhaltigkeit. "Man muss die folgende Generation im Auge behalten", sagt der 56-Jährige. Zugleich ist er an der Historie interessiert. Gern erklärt er die Funktionen des Gebäudeensembles, zu dem der Trakt mit dem ehemaligen Brauhaus gehört. Hier sind jetzt Betriebswohnungen. Daneben ist der inzwischen zugeschüttete Brunnen. Für Scherer gehören Hof und Burg, damit ist der alte Mühlenturm gemeint, unverbrüchlich zusammen. Beides erwarb der Ahnherr Gerard Compes Ende des 18. Jahrhunderts, womit der Name "Burghof" erklärt ist. Hans-Otto Scherer ließ den Mühlenturm renovieren und sieht ihn als sein "Projekt" an, an dem er gerne selbst Hand anlegt.

Ob die Kinder - die Tochter strebt das Lehramt an, der Sohn ist gelernter Betriebswirt - den Hof im historischen Liedberg übernehmen, ist noch nicht sicher. Der Vater hat noch viele Pläne, versichert aber glaubwürdig: "Wenn aus der Familie Interesse besteht, trete ich gerne in die zweite Reihe zurück und stehe auf Anfrage unterstützend und beratend zur Stelle. Der Betrieb wird dann pachtfrei übergeben. Das ist auch wichtig".

Quelle: NGZ
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