| 00.00 Uhr

Kleinenbroich
Rappen, Instrumente bauen und schimpfen auf Platt

Kleinenbroich: Rappen, Instrumente bauen und schimpfen auf Platt
Im Rahmen der Kulturrucksack-Aktion hatten Jugendliche im Glehner Jugendzentrum SinnFlut einen Rap geschrieben, der jetzt zur Aufführung kam. FOTO: Ilgner Detlef (ilg)
Kleinenbroich. Die Aktionsreihe "Kulturrucksack NRW" soll Kinder und Jugendliche von 10 bis 14 Jahren an die Kultur heranführen. Von Juni bis August hatten sie die Qual der Wahl: auf Plattdeutsch schimpfen lernen oder lieber einen Rap komponieren? Von Rudolf Barnholt

Zeichnen unter freiem Himmel oder ein kastenförmiges Rhythmusinstrument, ein Cajon, bauen und darauf spielen? Entsprechende Workshops gab es in Meerbusch, Kaarst und Korschenbroich. Am Freitag zeigten die Akteure auf der Bühne der Realschule Kleinenbroich, dass Joseph Beuys recht hatte: Jeder ist ein Künstler.

Jugendliche des Kaarster Jugendzentrums Bebop hatten Cajons, kastenförmige Rhythmusinstrumente, gebaut. FOTO: Detlef Ilgner

Ken Schultze, Leiter des Kaarster Jugendzentrums Bebop, war umgeben von einer Vielzahl von Kästen, die zum Teil bunt bemalt waren. Eine Schlagfläche, die vibriert, macht aus der Sitzgelegenheit ein Musikinstrument. Die Kids hatten ihr Cajon mit Begeisterung gebaut. Elena Wiegand aus Korschenbroich hatte in Kaarst das passende Angebot für sich entdeckt. Die zwölfjährige Waldorfschülerin erkannte ihre Bilder auf einer Leinwand wieder, die ein Beamer projizierte: Die Jugendliche war mit der Kaarster Künstlerin Ursula Ringes-Schages und der Architektin Anke Rademacher durch Kaarst gezogen, hatte nach Motiven Ausschau gehalten und diese dann gemalt. "Es hat sehr viel Spaß gemacht", sagte sie.

Andreas Vollmer, der sonst für den WDR arbeitet, führte durch ein buntes Programm. Theater kombiniert mit Tanz und Gesang präsentierte eine Gruppe, die bei Wolfgang und Suse Weber in Holzbüttgen gelernt hatten. Der Musiker und die Theaterfrau hatten den peppigen Auftritt mit einer Botschaft verknüpft: Es ging um Akzeptanz in der Gruppe und darum, dass man andere nicht bloßstellen darf. Eine Schülerin musste einen peinlichen Tanz aufs Parkett legen, das Video wurde dann ins Netz gestellt.

Pejo Stefes und Hans-Peter Menzen hatten den Kids das Schimpfen auf Plattdeutsch beigebracht. Wer in der Schule immer abschreiben möchte, muss künftig damit rechnen, als "Lauschöpper" bezeichnet zu werden, was so viel wie Schmarotzer bedeutet. "Mundart ist ein Kulturgut", erklärte der frühere Korschenbroicher Kulturamtsleiter Stefes. Bei entsprechendem Interesse könne ein Mundartstammtisch für Eltern und Kinder gegründet werden. Kein Interesse, ihre frisch erworbenen Plattdeutschkenntnisse auf der Bühne zu präsentieren, hatten zwei Jugendliche aus Meerbusch - sie waren nicht zur Abschlussveranstaltung nach Kleinenbroich gekommen.

Klaus Mader ist Lautenist. Im Rahmen der Kulturrucksack-Aktion hatte er mit Jugendlichen im Glehner Jugendzentrum SinnFlut einen Rap geschrieben, der jetzt zur Aufführung kam. Mit dabei: Jessica (11). Ob es Spaß gemacht habe? Ob sie aufgeregt gewesen sei? Die Elfjährige beantwortete beide Fragen mit einem klaren Ja. Silke May und Roger Gerold hatten in Osterath ein 20-minütiges Theaterstück eingeübt. Die Jugendlichen bespielten die ganze Aula, bezogen Zuschauer mit ein, ihre Spielfreude war ansteckend. Wer jetzt glaubt, etwas verpasst zu haben: Es wird auch im kommenden Jahr den "Kulturrucksack NRW" geben.

Quelle: NGZ
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kleinenbroich: Rappen, Instrumente bauen und schimpfen auf Platt


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.