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Korschenbroich
Römerwacht: Eine Kultstätte der Kelten?

Korschenbroich: Römerwacht: Eine Kultstätte der Kelten?
Unter der fachkundigen Führung von Georg Waldmann (2.v.r.) und Friedel Herten (r.) ließen sich die 40 Teilnehmer die Besonderheiten der Römerwacht zeigen. FOTO: Marion Lisken-Pruss
Korschenbroich. Seit mehr als 100 Jahren rätseln Forscher über die Funktion der Liedberger Römerwacht. Möglicherweise bestehen Parallelen zum englischen Stonehenge. Ein Rundgang mit dem Biologen Georg Waldmann in Liedberg. Von Marion Lisken-Pruss

Liedberg Römerwacht: mittelalterliche Burganlage - oder eine heilige Kultstätte der Kelten? Um das im Volksmund "Römerwacht" genannte Bodendenkmal und seine Zukunft ging es am Samstag bei einem Ortstermin im Liedberger Haag, zu dem der Korschenbroicher Biologe Dr. Georg Waldmann sowie der Diplom-Ingenieur und frühere CDU-Ratsherr Friedel Herten eingeladen hatten. Bei strömendem Regen präsentierten sie den rund 40 Zuhörern erstaunliche Forschungsergebnisse: "Die Anlage stammt nicht aus der Römerzeit, sondern ist wesentlich älter als bisher angenommen", sagten sie und zogen Parallelen zu den "Henge Monuments", die in Großbritannien häufig vorkommen. Diese wurden einst von keltischen Kulturen errichtet, ihr bekanntester Vertreter ist Stonehenge im Süden Englands.

In Liedberg liegt die Anlage mitten im Wald: Sie besteht aus einem kreisförmigen Plateau mit einem Durchmesser von 30 Metern, das von einem runden Graben von vier bis fünf Metern Tiefe umgeben ist und einen Zugang im Nordosten aufweist. Gesäumt wird sie von etwa 25 über 160 Jahre alten Rotbuchen. Den Zutritt zu der Anlage verweigert ein Schild: "Betreten verboten" steht darauf, und es warnt vor herabbrechenden Ästen und umstürzenden Bäumen. Über die Funktion des Bodendenkmals rätseln Heimatforscher und Archäologen seit mehr als 100 Jahren.

Von einem römischen Signalturm war einst die Rede und von einer mittelalterlichen Burganlage. Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) habe zuletzt 2009 eine barocke Gartenanlage in Betracht gezogen, so Georg Waldmann. Friedel Herten und er sehen vielmehr eine Verbindung zu keltischen Kultstätten: Der runde Graben und sein Zugang im Nordosten seien vergleichbar. "Der Zugang markiert ebenso wie bei den englischen ,Henges' die Stelle, wo die Sonne am Tag der Sommersonnenwende aufgeht", sagte Friedel Herten. Zudem habe man schon 1924 Löcher gefunden, die darauf schließen lassen, dass dort einst Palisaden eingelassen waren. "In Deutschland gibt es nur zwei vergleichbare Anlagen: Der Goloring in Kobern-Gondorf in Rheinland-Pfalz und eine kleinere Anlage auf dem Venusberg in Bonn", hob Georg Waldmann die Bedeutung des Bodendenkmals hervor. Ihn treibt die Sorge um seinen Erhalt um: "Die morschen Buchen werden in den nächsten Jahren hineinstürzen und es unwiederbringlich zerstören", fürchtet er. Deshalb schlägt er vor, die Buchen vorsorglich in drei bis vier Metern Höhe zu kappen. "Die Baumstämme blieben für Spechte und Kleinlebewesen erhalten", betont er. Das Problem: Das Bodendenkmal liegt in einem Naturschutzgebiet. Der stellvertretende Bürgermeister Albert Richter (SPD), der ebenfalls bei der Ortsbegehung dabei war, nahm sich des Themas an: "Es geht sowohl um Naturschutz als auch um Denkmalschutz. Wir werden das Bodendenkmal zum Thema im Planungs- und Umweltausschuss machen und in den Geschäftsvorgang der Politik einbringen", versprach er.

Quelle: NGZ
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