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Korschenbroich
Schüler nehmen Senioren die Angst vor dem Handy

Korschenbroich: Schüler nehmen Senioren die Angst vor dem Handy
Schüler der Hauptschule erklären Senioren das Smartphone (v.l.): Luisa, Brigitte Rowohlt, Christa Pauwels, Waltraud Niehsen, Robert Ruback, Marika. FOTO: Ilgner
Korschenbroich. Waltraud Niehsen hat sich eine grell-pinke Handyhülle zugelegt. "Ich will nicht lange in meiner Handtasche nach dem Telefon suchen müssen", sagt die 75-Jährige. Wenn es jedoch darum geht, das neue Smartphone zu bedienen, hat die Rentnerin noch große Probleme. "Ich habe von der Technik gar keine Ahnung. Wenn ich Kartoffeln kochen soll, weiß ist, dass ich Wasser, Salz, ein Messer, einen Topf und einen Herd brauche. Aber bei einem Handy kenne ich die ganz einfachen Regeln nicht", sagt Waltraud Niehsen.

Für Marika ist das alles kein Problem, sie kennt eine Zeit ohne Handys gar nicht. Die 17-jährige Schülerin sitzt mit Waltraud Niehsen im PC-Raum der Hauptschule Korschenbroich. Es ist die erste Stunde des Kurses "Schüler helfen Senioren beim Umgang mit Smartphone, Computer oder Tablet-PC". Die Hauptschule bietet den Kurs bereits im zweiten Jahr an und hat bislang nur gute Erfahrungen gemacht.

"Der Kurs läuft bei uns im Bereich des Wahlpflicht-Unterrichts und ist bei den Schülern sehr beliebt - hier dürfen sie ausnahmsweise ihre Handys benutzen", sagt die stellvertretende Schulleiterin Christa Pauwels. Doch auch bei den Senioren kommt das Angebot gut an. 15 haben sich bereits angemeldet, um sich von den Zehntklässlern helfen zu lassen. Jederzeit können noch welche hinzustoßen.

"Ich möchte die Grundbegriffe lernen, Fotos machen und sie bei WhatsApp einstellen können. Vor allem will ich die Angst davor verlieren, etwas falsch zu machen", sagt Waltraud Niehsen. Auch in der eigenen Familie hätte sie schon Hilfe bekommen. Doch meistens hätte die Zeit gefehlt, ihr alles in Ruhe zu erklären. Dafür kommt sie nun zusammen mit ihrer Freundin Brigitte Rowohlt jeden Montag für zwei Schulstunden in die Hauptschule. "Mit dem Computer kenne ich mich ganz gut aus, beim Smartphone hatte ich insbesondere bei WhatsApp noch so meine Bedenken, dass ich jetzt überall im Internet wiederzufinden bin", sagt Brigitte Rowohlt (66). Luisa kann ihr diese Ängste nehmen, die 18-Jährige hat schnell ein paar Einstellungen geändert, um das Problem zu lösen.

"Jeder Schüler ist einem Kurs-Teilnehmer zugeteilt und kann sich so den individuellen Fragen widmen", sagt Christa Pauwels. So bilden die 84-jährige Marlene Holland und Justin (16) bereits seit der ersten Stunde dieses Kursangebots ein Team. "Ich bin froh, dass Justin so viel Geduld mit mir hat. Er macht das hervorragend", sagt Marlene Holland. Sie habe schon häufiger Computerkurse besucht. Aber erst jetzt lerne sie wirklich dazu.

(togr)
 
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