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Korschenbroich
Senioren bangen um ihre Kapelle: Der Kreis lenkt ein

Korschenbroich: Senioren bangen um ihre Kapelle: Der Kreis lenkt ein
Dieser Hinweise klebt seit Monaten an der hinteren Tür. FOTO: Ruth Wiedner-Runo
Korschenbroich. Sie ist geschlossen - für alle überraschend. Bewohner des Seniorenhauses sind enttäuscht, Ehrenamtler empört. "Wir fürchteten ihren Abriss", fasst Thekla Kottwitz die Sorge zusammen. Von Ruth Wiedner-Runo

Das kleine Gotteshaus "Am Kirsmichhof" ist mehr als 50 Jahre alt. Jeden Donnerstag fanden dort die Bewohner des Seniorenhauses Trost und Zeit zur Besinnung. Montags wurde die kleine Kapelle für externe Gottesdienstbesucher geöffnet. Seit vergangenem Donnerstag ist damit Schluss. "Hier findet kein Gottesdienst mehr statt. Ab sofort bleibt die Kapelle wegen baulicher Mängel geschlossen." Überbringer der schlechten Nachricht war Andreas-Kantor Martin Sonnen. Ihm hatte man einen Zettel in die Hand gedrückt, den er im Anschluss an den bislang letzten Wortgottesdienst verlesen hatte.

Für Thekla Kottwitz war diese Nachricht wie eine Ohrfeige. "Ich bin geschockt", erklärt sie gegenüber unserer Redaktion. Die rüstige Seniorin gehört wie Erika Kempnry, Bruno Richter, Irmgard Post, Peter Hassler, Irmtraud Pieper und Marga Meusemann zur Gottesdienstgruppe. Die Ehrenamtler sind zum Teil seit mehr als 20 Jahren im Seniorenhaus aktiv, sie kümmern sich bei den bunten Nachmittagen um die Hausbewohner, übernehmen Besuche und Besorgungen und begleiten die Kranken wöchentlich zu den Gottesdiensten. Eine Unterstützung, für die speziell Rollstuhlfahrer und die Angehörigen von gehbehinderten oder dementen Bewohnern dankbar waren. "Die Menschen hier sind im Glauben aufgewachsen und möchten ihren Glauben auch auf ihrer letzten Wegstrecke weiter praktizieren dürfen", spricht Bruno Richter von einem innigen Bedürfnis. "Was hier passiert, kann keiner verstehen. Wir nicht und die Hausbewohner noch weniger", sagt Irmgard Post. "Und das auch noch vor Weihnachten." Für Hassler steht fest: "Hier bricht ein Stück Alt-Korschenbroich weg. Das dürfen wir nicht unwidersprochen hinnehmen."

Während die Schließung durchweg auf Kopfschütteln, Unverständnis und Empörung stößt, spricht Erika Kempnry die Sorge vieler offen an: "Die wollen doch nur die Kapelle abreißen." Mit "Die" meint sie den Rhein-Kreis Neuss, der vor mehr als 50 Jahren die Trägerschaft der Senioreneinrichtung übernommen hat und damit auch die Kapelle, die seinerzeit noch von den Nonnen des Franziskaner-Ordens in Krankenhausnähe (heute Reha-Klinik) errichtet worden war. "Hier wurde seit Jahren nichts getan. Die Kapelle verfällt, damit sie abgerissen werden kann", ist auch Irmgard Post überzeugt. Dabei hatte sie noch vor wenigen Wochen große Hoffnung, die Kapelle werde bald saniert. Vorausgegangen war ein Rundgang mit Thekla Kottwitz und dem Bundestagsabgeordneten Ansgar Heveling, zu dem die frühere Einrichtungsleiterin Petra Sommerhäuser eingeladen hatte. "Das Ziel waren der Erhalt und die Sanierung der Kapelle", so Post.

Das Grundstück zwischen Kreisjugendamt und Seniorenhaus ist für den Rhein-Kreis als Eigentümer interessant. Daraus macht Sigurd Rüsken, Geschäftsführer der neuen Rhein-Kreis Neuss Kliniken GmbH und damit neuerdings für die Senioreneinrichtung zuständig, kein Geheimnis. Allerdings versichert Rüsken auf Anfrage unserer Redaktion: "Wir werden die Kapelle zeitnah sanieren, das defekte Dach wird repariert und die Eingangstüre zur Parkseite ausgetauscht." Und den längst überfälligen Außenanstrich wird es auch geben. Alles soll laut Rüsken so rechtzeitig fertig werden, dass die Kapelle an den Weihnachtstagen schon wieder genutzt werden kann.

Der Geschäftsführer der Kliniken GmbH spricht von einem "Alleingang" der früheren Einrichtungsleiterin. Sie habe die Schließung ohne Rücksprache mit ihrer Nachfolgerin Iris Baldus veranlasst. In ihrer E-Mail heißt es unter anderem: "Ich kann die Nutzung für unsere Bewohner und externe Gottesdienstbesucher nicht weiter verantworten, und habe deshalb der katholischen Kirche die Nutzung abgesagt." Für Sigurd Rüsken ist diese Vorgehensweise inakzeptabel. Er bedauert, dass die Bewohner verunsichert und die Ehrenamtler vor den Kopf gestoßen wurden. "So dürfen wir mit Ehrenamtlern nicht umgehen", spricht Rüsken von fehlender Wertschätzung. "Wir werden uns zeitnah entschuldigen und die Dinge entsprechend klären."

Quelle: NGZ
 
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