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Korschenbroich
Sensationsfund schlummert in Scheune

Korschenbroich: Sensationsfund schlummert in Scheune
Silke Auffermann mit zwei der vier Räuchergefäße, die als Beigaben in dem rund 2000 Jahre alten Steinsarg gefunden wurden. FOTO: Ati
Korschenbroich. Vor zehn Jahren wurde ein Sarg aus der Römerzeit gefunden. Inzwischen fast vergessen, soll er nun auf die Denkmalliste. Von Dagmar Fischbach

Der Fund war eine Sensation: Bei den Bauarbeiten zur Golfplatzerweiterung am Rittergut Birkhof stieß ein Baggerfahrer im Jahr 2007 auf einen Steinsarg. Die Archäologen untersuchten, forschten und jubelten: Der Sarg galt als Zeugnis der frühesten Erdbestattungen im Rheinland, war rund 2000 Jahre alt. Doch nach der ersten Aufregung wurde es ruhig um den Sensationsfund. Heute, genau zehn Jahre später, erinnert sich kaum noch jemand an den Steinsarg vom Birkhof.

Jörg Schneider, der bei der Stadt Kaarst für den Denkmalschutz zuständig ist, war im Sommer zum ersten Mal mit dem Fund befasst. "Wir bekamen ein Schreiben vom Landesamt für Bodendenkmalpflege. Weil dort die Akten digitalisiert werden, sollten wir unser Denkmal Nummer 58 genauer spezifizieren - unsere Liste hört aber bei 57 auf", berichtet er. Warum es nicht zur Eintragung des Sarges in die Denkmalliste gekommen war, dafür hat Schneider noch keine Erklärung. "Ich habe mit meinem Vorgänger gemeinsam nachgeschaut - aber es gibt dazu bei uns keine Akte", sagt er. Auch beim Amt für Bodendenkmalpflege des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) ist nichts weiter bekannt. "Wir haben den Fund seinerzeit untersucht und erfasst. Der Sarg ist dann am Fundort geblieben", sagt Leiter Erich Claßen. Während heute, nach Änderung des Denkmalschutzgesetzes im Jahr 2013, archäologische Zufallsfunde automatisch an den Staat fallen, habe damals das hadraianische Teilungsgesetz gegolten. Demzufolge konnten sich Finder des historischen Gutes und Grundstückseigentümer den Fund teilen. "In diesem Fall war das ein und dieselbe Person und der Fund war sein Eigentum", erläutert Claßen. Die Grabbeigaben - vier Räuchergefäße und eine Münze - seien aber, ebenso wie die sterblichen Überreste der beigesetzten Frau, ins Rheinische Landesmuseum in Bonn gegangen. Dort kann die zuständige Archäologin Susanne Willer den Eingang bestätigen. "Aber die Funde sind schon im Januar 2008 an den Eigentümer des Grundstücks zurückgegangen", erklärt die Expertin. Auf dem Birkhof ist Silke Auffermann, die Assistentin von Geschäftsführer Wolfgang Lalakakis, überrascht. "Ich persönlich kenne diesen Fund gar nicht", sagt sie. Mit ihren älteren Kollegen begibt sie sich auf Spurensuche - und wird fündig: Der drei Tonnen schwere Sarg aus Tuffstein steht dort, wo ihn die Archäologen seinerzeit hingebracht haben: In einer großen Scheune des Rittergutes.

Rund zwei Meter ist er lang und sieht, da der Deckel davor liegt, eher aus wie eine alte Viehtränke als wie ein Sarg. Erst bei genauer Betrachtung sind die Steinmetzarbeiten und das steinerne "Kissen" im Inneren erkennbar, auf dem das Haupt der Verstorbenen gebettet gewesen sein wird. Deren sterbliche Überreste sind ebenso wie die vier Räucherbecher und die Münze aus dem Jahr 96 nach Christus von den Archäologen sorgfältig untersucht, nummeriert und in Plastikbeutel verpackt worden. Für den Kaarster Denkmalschützer Jörg Schneider ist klar: "Wir werden diesen bedeutenden archäologischen Fund in die Denkmalliste eintragen." Dazu will er nun Kontakt mit dem LVR und der Nachbargemeinde Korschenbroich aufnehmen, auf deren Gebiet sich der Sarg aktuell befindet.

Quelle: NGZ
 
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