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Stadtporträt Korschenbroich
Mittelstand und Brauchtum

Korschenbroich und seine Sehenswürdigkeiten
Korschenbroich und seine Sehenswürdigkeiten FOTO: NGZ-Archiv
Korschenbroich. Mit vielen Fachwerkhäusern und grünen Wiesen gilt Korschenbroich als eine der schönsten Städte im Rhein-Kreis Neuss. Heute leben dort rund 33.000 Menschen. Inmitten der niederrheinischen Landschaft lassen sich viele historische Bauwerke finden. Besonders sehenswert sind dabei die beiden Schlösser Myllendonk und Liedberg. Von Jacqueline Sachse

Während mit Schloss Myllendonk eine mittelalterliche Wasserburg aus gotischen und barocken Bauteilen auf seine Besucher wartet, ist Schloss Liedberg eine der wenigen Höhenburgen am Niederrhein.

Sehenswert ist aber auch Liedberg, das aufgrund seines schönen Schlosses, der Schlosskapelle, dem Mühlenturm, sowie dem schönen Dorfplatz mit seinen gepflegten Fachwerkhäusern ein beliebtes Ausflugsziel bildet.

Die angelegten Rad- und Wanderwege führen durch die Korschenbroicher Landschaft. Ein sportliches Highlight ist der „Internationale Korschenbroicher Citylauf“, der jährlich Spitzenathleten, laufbegeisterte Sportler und zahlreiche Besucher anlockt.

Über die Stadtgrenzen hinaus bekannt sind die Korschenbroicher Kabarett-Abende. Aber auch die vielseitigen Programmangebote der örtlichen Vereine laden zur Abendunterhaltung ein.

In Korschenbroich besitzt die Brauchtumspflege einen sehr hohen Stellenwert.  Dazu tragen vor allem die zahlreichen Schützen- und Heimatfeste, sowie die vielen Vereine bei.

Als Wirtschaftsstandort hat sich die Stadt etabliert und beheimatet zahlreiche mittelständische Unternehmen aus verschiedenen Branchen. So wird Korschenbroich zukünftig wohl nicht länger nur Wohnort sein, sondern sich auch an wirtschaftlichem Wachstum erfreuen.
 

Die Geschichte

Korschenbroich, eine Kommune, die aus fünf Gemeinden besteht, gibt es seit 1975. Die gemeinsame Geschichte der ehemals selbstständigen Dorfgemeinden Liedberg, Glehn, Kleinenbroich, Pesch und Korschenbroich beginnt mit ihrem Zusammenschluss zur Großgemeinde. Jede der einzelnen Gemeinden für sich kann jedoch auf eine wesentlich längere Vergangenheit zurückblicken.

So lassen sich Siedlungsspuren in dieser Gegend durch archäologische Funde bis in die Ur- und Frühgeschichte nachweisen. Mit der Eroberung Galliens (58-51 v. Chr.) durch Julius Caesar unterlag der gesamte Niederrhein dem Einfluss der römischen Kultur, die ebenfalls ihre Spuren hinterlassen hat. Den Römern folgten um das Jahr 400 n. Chr. die Franken, die ihr eigenes Staatswesen gründeten und die römische Provinz Niedergermanien in Gaue unterteilten.

Der Zerfall des fränkischen Reiches und damit auch der Gauverfassung begann im 9. Jahrhundert. Unter den Nachfolgern Karls des Großen wurde das Rheinland Bestandteil des lothringischen Zwischenreiches, nach dessen Ende 870 es dem ostfränkischen Reich zufiel. Die Zugehörigkeit zum deutschen Reich, das sich aus dem ostfränkischen entwickelte, blieb bis zum Jahr 1794 bestehen.

Im Korschenbroicher Stadtgebiet gab es zwei bedeutende Grundherrschaften: zum einen die Grundherrschaft Millendonk, die Korschenbroich und Pesch umfasste und die 1700 die Reichsunmittelbarkeit erlangte; zum anderen die Herrschaft Liedberg, die seit 1279 im Besitz der kurkölnischen Erzbischöfe war. Als Zeugnisse dieser Vergangenheit sind Schloss Millendonk und Schloss Liedberg erhalten.

Mit seinen gotischen und barocken Bauteilen ist Schloss Millendonk eine malerisch reizvolle Wasserburg aus dem Mittelalter. Schloss Liedberg gilt als eine der wenigen Höhenburgen am Niederrhein. Die Französische Revolution sorgte auch im Rheinland für die Abschaffung des feudalen Herrschaftssystems, nachdem französische Truppen das linke Rheinufer besetzt hatten.

Von 1794 bis 1814 gehörte das Rheinland zu Frankreich. Eine erste kommunale Gebietsreform wurde durch die französische Neuordnung um 1800 vollzogen. Das Stadtgebiet gehörte zum Département/Regierungsbezirk Roer und zum Arrondissement/Unterbezirk Krefeld.

Mit der Übernahme des Rheinlands durch die Preußen 1816 fand bereits die nächste Gebietsreform statt: Innerhalb der Regierungsbezirke wurden neben den kreisfreien Städten Landkreise gebildet. Die Bürgermeistereien aus der französischen Zeit blieben bestehen. Korschenbroich, Kleinenbroich und Liedberg wurden dem Landkreis Gladbach, Glehn dem Landkreis Neuß zugeordnet.

Im 19. Jahrhundert blieb Korschenbroich von der Landwirtschaft geprägt. Ein weiterer großer Erwerbszweig war die Textilverarbeitung. Es existierten zahlreiche Hauswebereien, die für die Zentren der Textilindustrie Mönchengladbach, Rheydt oder Krefeld produzierten. Die Industrialisierung bereitete ihnen jedoch Ende der 90er Jahre den Untergang.

Andererseits begann - begünstigt durch den Ausbau des Verkehrswesens und hier insbesondere mit der Einrichtung der Eisenbahnlinie Aachen-Mönchengladbach-Neuss-Oberkassel 1853 und eines Bahnhofs in Kleinenbroich - um die Jahrhundertwende die Entwicklung zur Industriegemeinde.

Dies zeigte sich durch die Vielzahl der Handwerksbetriebe, die Gründung von kleineren Fabriken, die Errichtung der Amtssparkasse, den Bau der Krankenhäuser in Glehn und Korschenbroich sowie den Bau von Bürgermeisterämtern.

 

Eine weitere Gebietsreform 1929 löste den Kreis Gladbach auf und ordnete die selbstständigen Gemeinden Korschenbroich, Pesch, Glehn, Liedberg und Kleinenbroich dem neuen Kreis Neuß-Grevenbroich zu. Der Gladbacher Versuch der Eingemeindung von Korschenbroich und Pesch war fehlgeschlagen.

1935 entstand das Amt Glehn mit den Gemeinden Liedberg und Glehn; zwei Jahre später wurden Korschenbroich und Kleinenbroich zusammengeschlossen. Dieser Verband hielt bis 1947. Kriegsbedingte Schäden gab es in Korschenbroich und Glehn, deren Ortskerne durch Luftminen zu einem großen Teil zerstört wurden.

In den 60er-Jahren setzten erneut Diskussionen über eine kommunale Neugliederung ein. Wieder sollten Korschenbroich, Kleinenbroich, Pesch und Liedberg nach Mönchengladbach und Glehn nach Neuss eingemeindet werden. Doch die einzelnen Gemeinden leisteten Widerstand und hatten Erfolg.

Man einigte sich auf das "kleinere Übel" - und am 1. Januar 1975 entstand die Großgemeinde Korschenbroich, die 1981 zur Stadt wurde. Inzwischen leben rund 33.000 Menschen in Korschenbroich, das als Kleinstadt im Ballungsgebiet der Städte Mönchengladbach, Düsseldorf, Neuss mit seiner modernen und leistungsfähigen Infrastruktur ansprechende Wohnqualität und hohen Freizeitwert miteinander verbindet.Die Geschichte bleibt über viele erhaltene historische Bauwerke, die im Ensemble mit moderner Architektur das städtebauliche Bild prägen, lebendig.

(NGZO)
 
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