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Korschenbroich
Stadtrat: Atomkraftwerk muss vom Netz

Korschenbroich. Der belgische Atommeiler Tihange steht in der Kritik. Wiederholt kam es zu Störungen. Grund genug, auch in Korschenbroich das dauerhafte Aus zu fordern. "Das Werk muss unverzüglich abgeschaltet werden", verlangt der Rat. Von Ruth Wiedner-Runo

Ulrich Afflerbach zählt zu den ruhigen Vertretern im Korschenbroicher Stadtrat. Der langjährige SPD-Mann meldet sich nicht oft zu Wort, doch wenn er seine Stimme erhebt, dann ist das Thema bedeutsam. "Das belgische Atomkraftwerk Tihange muss unverzüglich vom Netz", forderte er jetzt in der jüngsten Ratssitzung. Sein Appell: "Wir können nicht so tun, als ob unsere Kompetenz an der Stadtgrenze aufhört. Hier werden im Ernstfall 34.000 Einwohner bedroht." Afflerbach macht sich für eine unverzügliche und dauerhafte Abschaltung stark: "Wir müssen auch in Korschenbroich aktiv werden, wohlwissend, dass das Atomkraftwerk nicht bei uns vor der Haustüre steht."

Lange brauchte Ulrich Afflerbach nicht, um seine Ratskollegen allesamt zu überzeugen. Sie waren im Thema, schließlich hatte der Sozialdemokat bereits im Februar einen ersten Vorstoß gewagt. Damals stand die Frage im Raum, Beitritt zum Klageverfahren eines Städteverbundes rund um Aachen oder die Verabschiedung einer Resolution. "Wir alle gemeinsam sollten die Stellungnahme beschließen, um ein deutliches Signal nach außen zu geben", fasste Albert Richter (SPD) die Möglichkeit der Stadt zusammen.

In der Resolution heißt es: "Der Rat appelliert an die belgische Regierung, die Betriebsgenehmigung für das Kraftwerk Tihange zurückzunehmen. Er unterstützt die vielen Kreise und Gemeinden bei ihrem Vorgehen gegen den Weiterbetrieb des Kernkraftwerks." Zudem stellt sich die Stadt Korschenbroich hinter die Forderungen der Städteregion Aachen, die mit ihrer Klage gegen den belgischen Staat vorgeht. Aachens Wunsch, das Korschenbroicher Stadtwappen zu benutzen, um ihrem Begehren mehr Nachdruck zu verleihen, wurde vom Stadtrat ebenfalls begrüßt. Mit der Resolution ist auch die Bitte an Land und Bund verbunden, das AKW-Thema mit Nachdruck zu verfolgen und für geeignete Katastrophenschutzkonzepte zu sorgen.

Bernd Makowiack (ULLi/Zentrum) ging noch einen Schritt weiter: Er will das "Nein" zum Meiler mit der Vorratshaltung von Jodtabellen verknüpft wissen. "Bei akuter Gefahr muss jeder die Tabletten in der Hausapotheke liegen haben." Bürgermeister Marc Venten, der die Zuständigkeit der Tablettenverteilung beim Kreis und damit beim Kreisgesundheitsamt sieht, versprach: "Ich werde mit dem Landrat sprechen." Ziel müsse es sein, eine einheitliche Regelung zu finden.

Doch die gibt es noch nicht. "Landrat Hans-Jürgen Petrauschke hat sich deshalb bereits in einem Schreiben an NRW-Innenminister Ralf Jäger gewandt, um Jodtabletten auch schon vorab an den entsprechenden Bevölkerungsteil ausgeben zu können", erklärte gestern Kreissprecher Reinhold Jung auf Anfrage. Da der Kreis - also auch Korschenbroich und Jüchen - mehr als 100 Kilometer Luftlinie von einem Atomkraftwerk entfernt ist, liegt er in der sogenannten Fernzone. "Anspruch auf Kaliumjodidtabletten haben in der Fernzone aber nur Personen unter 18 Jahren und Schwangere", erklärt Kreisamtsleiter Joachim Klein. Kaliumjodidtabletten wurden dem Rhein-Kreis vom Land aber noch nicht zur Verfügung gestellt. Das Land befinde sich noch im Beschaffungsverfahren.

Quelle: NGZ
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