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Korschenbroich
Tante-Emma-Laden mit Geheim-Tunnel zum Schloss

Korschenbroich: Tante-Emma-Laden mit Geheim-Tunnel zum Schloss
Dieses Haus hat es in sich: Bewohner Peter Speck, der dort geboren wurde, sucht bis heute den Einstieg zu einem angeblichen Geheim-Gang, der zum Schloss Liedberg führen soll. FOTO: HPR
Korschenbroich. Das alte Fachwerkhaus an der Schlossstraße in Liedberg hat den höchsten Giebel im Dorf und im Keller einen Geheimgang Von Marion Lisken-Pruss

Es muss nicht immer ein altes Rittergut sein: Oft sind es die kleinen Fachwerkhäuser, an denen die lokale Geschichten lebendig wird. So ist das auch bei dem Fachwerkhaus in der Schlossstraße 29 in Liedberg. Wann das Haus erbaut wurde, weiß heute niemand mehr so genau. "Irgendwann im 18. Jahrhundert", sagt Peter Speck, der 1944 in dem Haus geboren wurde. Damals gehörte das Gebäude schon seiner Mutter, die es wiederum in den 1920er Jahren von ihrem Onkel geerbt hatte. Solange Peter Speck zurückdenken kann, befand sich im Erdgeschoss ein kleiner Tante-Emma-Laden. "Von Hosenknöpfen über Strümpfe bis hin zu Milch, Brot und Eiern konnte man hier alles kaufen", erzählt er. Und obwohl es nach dem Krieg vier solcher Kolonialwarenläden in Liedberg gab, habe die Familie gut davon leben können.

Das elterliche Geschäft hatte auch etwas Besonderes zu bieten: ein Telefon - und zwar über lange Zeit hinweg das einzige im Ort. Warum das erste Telefon bei ihnen eingebaut wurde, kann Peter Speck nur vermuten. "Vielleicht, weil mein Vater von 1948 bis 1952 Liedbergs Bürgermeister war", sagt er. Das Telefon war Fluch und Segen zugleich: Alle Dorfbewohner kamen zwar zum Telefonieren in den Laden, aber alle eingehenden Anrufe landeten ebenfalls dort. Das hieß, dass er oder seine Eltern die angerufenen Dorfbewohner ans Telefon holen mussten - auch nachts und auch bei Schneefall. Specks Vater hat den kleinen Laden zusammen mit seiner Frau Marlene noch bis 1973 weiter geführt. Als die Konkurrenz durch die Supermärkte zu groß wurde, gab er den Laden auf und zog mit seiner Familie nach Drölsholz.

So bescheiden das Haus von außen anmutet, so spannend ist sein Inneres. Das fängt schon beim Gewölbekeller an. "Einst soll ein Geheimgang hin zu Schloss Liedberg geführt haben. Das wurde früher so erzählt", sagt Peter Speck. Gefunden hat er den Einstieg in den Geheimgang allerdings nie. Glaubt man alten Legenden, so befanden sich Geheimgänge in jeder Burg. Sie sollten es den Burgherren ermöglichen, bei Gefahr unbemerkt fliehen zu können. Ob auch von Schloss Liedberg aus unterirdische Gänge in den Ort führten, ist nicht verbürgt. Aber wenn, dann endete einer davon möglicherweise im Keller von Peter Speck. Was dafür spricht: Liedberg ist tatsächlich mit unterirdischen Stollen durchzogen. In ihnen wurde jedoch Sand abgebaut. Dafür trieben die Arbeiter senkrechte Stollen durch eine Schicht aus Sandstein, bis sie auf Sand stießen, um dann röhrenartige Querschächte anzulegen. Noch etwas ist außergewöhnlich an dem Haus: "Es heißt, es habe den höchsten Giebel in Liedberg", erzählt Peter Speck.

Quelle: NGZ
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