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Korschenbroich
Traditionsgasthaus Dresen schließt

Korschenbroich: Traditionsgasthaus Dresen schließt
Sie schließen nach 99 Jahren die Gaststätte Dresen in Raderboich (v.l.): Guido Dresen, Sohn Maurice und Maria Dresen. FOTO: Knappe
Korschenbroich. In vierter Generation leitet Guido Dresen das Traditionsgasthaus. Nach 99 Jahren ist jetzt Schluss - aus betriebswirtschaftlichen Gründen. Von Marion Lisken-Pruss

Der Stichtag steht fest: Wer nach dem 31. Mai bei Dresen "Im Alten Brauhaus" ein Bier trinken oder Bratkartoffeln essen möchte, steht vor verschlossenen Türen. Denn Gastwirt Guido Dresen (52) hat die Traditionsgaststätte an seinen Nachbarn, den Architekten Fritz Otten, verkauft.

Dass ihm der Schritt nicht leicht gefallen ist, merkt man ihm sichtlich an. Schließlich befindet sich das Gasthaus seit 99 Jahren in Familienbesitz. Guido Dresen ist hier aufgewachsen, und er arbeitet im Gasthaus mit, seit er 13 Jahre alt ist. "Ich bin aber nicht nur Gastwirt, sondern auch Unternehmens- und Steuerberater", sagt er. Und als solcher hat er auch die Zahlen im Blick. "Der Verkauf hat betriebswirtschaftliche Gründe", erklärt er.

Während früher bis zu sieben Familienmitglieder den Betrieb aufrechterhielten, sind sie heute mit seiner Mutter Maria (80) und seiner Frau Julia-Magdalena Dresen (32) nur noch zu dritt. Künftig wird auch seine Mutter aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten. "Dann können wir den Schankbetrieb kaum noch stemmen", sagt er.

Dabei hatte die Familie vor drei Jahren noch einmal ordentlich investiert: in einen Biergarten, in den Schießstand, die Kegelbahn und in die Fremdenzimmer. Die liegen insbesondere Julia-Magdalena am Herzen. Doch die Zeiten ändern sich: "Während die Gäste früher in der Gastwirtschaft gegessen haben, fragen sie heute nach Kochplatten und Kochgeschirr für ihre Zimmer", sagt sie.

Immerhin ist es ein kleiner Trost für die Familie, dass Fritz Otten einen neuen Pächter sucht. "Die Gaststätte "Im Alten Brauhaus" bleibt bestehen, und für die Vereine geht alles weiter", sagt Guido Dresen. Auch seine Mutter wird sich weiterhin stundenweise um die Gäste kümmern. Für ihn, seine Frau und Sohn Maurice (4) aber wird sich nach dem 31. Mai vieles ändern: "Zunächst steht unser Umzug an. Wenn die letzten Kartons ausgepackt sind, freuen wir uns auf ein ganz normales Familienleben mit geregelten Arbeitszeiten und geregelten Zeiten für unseren Sohn", sagt er.

Guido Dresen wird seine Stelle in einer Steuerberatungskanzlei ausbauen, und Julia-Magdalena überlegt, eine Ausbildung zur Eventmanagerin zu absolvieren. Einen Ausbildungsplatz hatte sie sogar schon einmal sicher. Doch dann hat sie ihren zukünftigen Mann kennengelernt und den Ausbildungsplatz sausen lassen - um in der Gastwirtschaft mitzuhelfen. Bevor am 31. Mai das Licht ausgeht, planen sie noch ein großes Abschiedsfest. "Die Zahl 99 wird dabei eine Rolle spielen", verrät Julia-Magdalena. Doch ganz zurückziehen aus Raderbroich will sich die Familie nicht, sondern dort regelmäßig einen Familientag einlegen.

Dass die Gastwirtschaft nicht in Familienbesitz bleibt, wie es sich sein Vater gewünscht hatte, stimmt Guido Dresen traurig. "Aber unser Sohn ist zu jung. Die nächsten 20 Jahre können wir nicht überbrücken", sagt er.

Quelle: NGZ
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